Es gibt Dinge, die sich dem Algorithmus entziehen, nicht weil sie ihn fürchten, sondern weil sie ihn nicht brauchen. TWEED ist eines davon. Wir erscheinen gedruckt, auf Papier, das man anfassen kann, in einer Auflage von 45.000 Exemplaren, verteilt an rund 2.000 Kioske, in die Lounges der Lufthansa und an Abonnenten, die wissen, warum sie abonnieren. Kein Feed kuratiert, was wir schreiben. Kein Klickzähler entscheidet, was wichtig ist. Was zählt, ist Substanz und die Fähigkeit, sie zu erkennen.
Die Provenienz des Magazins liegt in der Maßmode. Ein Anzug, der nach Maß geschnitten wurde, erzählt etwas über den Menschen, der ihn trägt und über den Schneider, der ihn gemacht hat. Dasselbe gilt für den Schuh, die Tasche, das Hemd. Wir interessieren uns für diesen Duktus der Dinge: wie sie entstehen, warum sie so gemacht wurden und nicht anders, was sie über das Verhältnis von Anspruch und Ausführung sagen. Das schließt den Klassiker von der Stange nicht aus, wenn er es verdient. Und das besondere Produkt, das überzeugt, weil jemand nicht aufgehört hat, genauer hinzuschauen.
Für diese Fragen stehen Instanzen ihres Fachs. Bernhard Roetzel, dessen “Der Gentleman” in 20 Sprachen übersetzt wurde und seit über zwei Jahrzehnten als das Standardwerk klassischer Herrenmode gilt, schreibt für TWEED über Maßmode und Garderobe mit der Tiefe eines Mannes, der jeden Schneider auf der Savile Row persönlich kennt. Clemens Graf von Hoyos, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Knigge-Gesellschaft und Vortragsredner, der mit seinem Wissen über Umgangsformen Millionen Menschen über verschiedene Kanäle erreicht, behandelt Fragen des Auftretens mit der Sachkenntnis dessen, der weiß, dass gute Manieren keine Konvention sind, sondern eine Haltung. Prinzess Anabel von Thernes bringt Nachhaltigkeit als das ein, was es ist: eine Frage der Qualität, nicht der Gesinnung.
Ich habe seiner Zeit das Netzwerk Deutschlands feine Maßmanufakturen gegründet und über eine Dekade lang Maßuhren im Luxussegment produziert, kenne die Fertigung und die Produzenten im Hintergrund nicht aus Presseunterlagen, sondern aus eigener Erfahrung. Co-Publisher Dr. Max Fischer bringt die Perspektive des leidenschaftlichen Sammlers mit, dessen Urteilsvermögen über Jahrzehnte aus privaten Interesses gewachsen ist und die Szene in einer Tiefe durchdringt, die sich nicht recherchieren lässt. Zusammen schreiben wir über Zeitmesser aus zwei Richtungen, die sich selten in einer Redaktion begegnen: die Werkbank und das Konvolut des Kenners.
TWEED erscheint, weil es Leser gibt, für die ein Magazin mehr ist als ein Informationsträger, es ist ein haptisches Argument gegen die Flüchtigkeit. Wir machen es für Menschen, die genau hinschauen. Und die wissen, dass ein Maßanzug mehr sagt als ein geleaseter Porsche.
Axel Kmonitzek
Editor & Publisher