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Polo aus Passion

Argentinisches Flair in Norddeutschland: Polo Club Aspern

Polo aus Passion
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Polo ist der schnellste Mannschaftssport der Welt. Tweed traf Christopher Kirsch, dreifacher Deutscher Polomeister, in seinem Polo-Club bei Hamburg. Er erzählt von seinem Leben zwischen Geschwindigkeit und Gelassenheit, zwischen Jetset und diszipliniertem Training.

Passionierter Polospieler und großer Tierfreund: Christopher Kirsch. Foto: Insa Brüning

In der wunderbaren Weite Schleswig-Holsteins, vor den Toren Hamburgs, breitet sich der weitläufige Pferdehof mit weiß umzäunten Koppeln aus. Hier wohnt und wirkt Christopher Kirsch. Hier befinden sich Polo Aspern, der Polo Club Schleswig-Holstein mit Polo-Academy und Clubhaus, in dem im Sommer regelmäßig Argentinische Assados (BBQ) stattfinden. Rund 40 Poloponys stehen hier und werden für den Polosport ausgebildet und trainiert. Eine Zucht gibt es in Aspern aktuell nicht. Kirsch´s Hengst „Halloween“ geht noch im Sport. „In die Zucht kann er vielleicht wieder, wenn er nicht mehr so viel im Sport läuft.“ so Kirsch. Früher hat er hier gezüchtet, verkaufen konnte er die Pferde jedoch nie, zu sehr hing er an jedem einzelnen Jungtier, welches hier geboren und trainiert wurde. Neue Pferde kauft er jetzt meistens direkt in Argentinien, seiner zweiten Heimat. Beim Betreten des Stalls empfängt einen bereits das südamerikanische Flair. Auf einer Tafel stehen die wichtigsten Fachbegriffe auf Spanisch. Ein handgemaltes Schild zeigt an, wo wir uns befinden: Polo Aspern. Auf Spanisch begrüßt Kirsch seine Pferde und die Pferdepfleger im Stall. Die Boxen sind großzügig und luftig. Statt einer massiven Tür mit Gittern, wie in anderen Ställen, befindet sich nur eine kleine Kette als Grenze zur Stallgasse. Neugierig schnuppert ein dunkler Apfelschimmel in die Stallgasse und lässt gelassen das Rasieren der Mähne dabei über sich ergehen. „Poloponys vereinen die Schnelligkeit von Vollblutpferden und die Gelassenheit von Criollos, einer stämmigen Pferderasse der Argentinischen Gauchos.“ erzählt Kirsch, der just an diesem Morgen aus den USA eingeflogen ist, wo er zum dortigen Saisonauftakt ein Polo Team gecoacht hat. Die Welt des Polos sei klein, man kennt und unterstützt sich, zum Beispiel mit ehrenamtlichen Trainertätigkeiten. Dass Kirsch seine Pferde und die Welt des Polos liebt, ist sofort zu spüren.

Südamerikanisches Flair: Aspern Polo. Foto: Insa Brüning

Der Hund wird gekrault, das Lieblingspferd bekommt Streicheleinheiten und mit den internationalen Polo-Schülern seiner Polo Academy gibt es kurze Briefings über den Trainingsstand nach seiner Abwesenheit. 

Im Alter von 12 Jahren begann seine Polokarriere im Hamburger Polo Club in Klein Flottbek. Seit er 18 ist nimmt er regelmäßig an deutschen Meisterschaften und internationalen Turnieren teil. Mehrere Meistertitel hat er erkämpft und er spielte auch für das Englische National-Team. Doch wie begann das mit dem Polosport – es ist ja nicht gerade ein Breitensport.  Seine Mutter sei der Auslöser gewesen. Gudrun Kirsch war bereits als Kind im Polofieber und selbst die erste Polospielerin Deutschlands in der 1970er Jahren. „Wenn ich mal heirate, dann nur einen Polospieler.“ proklamierte sie. Dann traf sie Dietmar Kirsch, ein Werbefachmann aus Westfalen, eine Künstlerseele und durch und durch Gentleman. Aber kein Polospieler. Er ließ sich nach der Hochzeit und dem Umzug nach Hamburg schnell von diesem Sport überzeugen und trat dem Hamburger Polo Club bei. 1972 eröffnete er sein erstes Ladengeschäft für hochwertige Herrenmode in Hamburg, für das er im Umfeld des Polosports seine Kunden fand. Noch heute führt der Senior das Geschäft. Der Sohn ließ sich zunächst vom Familienvirus des Polosports überzeugen, lernte Spanisch, ging nach dem Abitur nach Argentinien und studierte Wirtschaftswissenschaften. Eine kurze Stippvisite im väterlichen Ladengeschäft, zeigt ihm, dass er beruflich lieber auf eigenen Füßen stehen will. So gründete er die Pegasus Eventagentur mit dem Schwerpunkt auf dem Ausrichten von Polo-Events und internationalen Turnieren. Im Jahr 2005 kauft Christopher Kirsch das Anwesen in Aspern aus dem 16. Jahrhundert und baut es in ein modernes Polosport-Zentrum um, mit zwei fullsize Poloplätzen, einer Polohalle, in der auch im Winter trainiert wird sowie den großzügigen Stallungen.

Zahlreiche Polo-Events und internationale Turniere locken Zuschauer nach Aspern.

Drei Söhne hat er und freut sich, dass alle drei Polo spielen, so sind sie, solange er noch mitspielen darf, auch gleich eine komplette Mannschaft. Der 17jährige „Juny“ Kirsch wurde 2023 Deutscher Polo Meister. Es gibt nicht mehr als 400 aktive Polospieler in Deutschland, trotz wachsender Popularität, bleibt es ein Nischensport, der weiterhin von Vater zum Sohn oder zur Tochter weitervererbt wird. Die Teams spielen in der Regel gemischt, aber seit Neuestem gibt es auch ein reines Damenturnier auf Gut Aspern. Die Vorurteile über Polo reichen von elitär bis versnobt, was sicherlich auch mit den enormen Kosten zusammenhängt, die dieser Sport mit sich bringt. Ein einzelnes Pferd ist im Unterhalt schon teuer, aber bei einem Poloturnier kommen zwei bis acht Pferde zum Einsatz. Ein Spiel besteht aus vier Zeiteinheiten, den sogenannten Chukkas, jeweils sieben Minuten lang. Nach jedem Chukka darf der Spieler sein Pferd tauschen. Denn die Pferde sind die Hochleistungssportler in diesem Team, sie müssen wahnsinnig schnelle Sprinter sein und sehr abrupte Stopps und Wendungen hinlegen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Poloponys liegt bei 60 km/h, der gemessene Rekord liegt bei 78 km/h. Wenn ein Pferd sich während eines Chukkas verausgabt hat, wird gewechselt. Die Ponys sollen möglichst lange gesund im Sport bleiben. Und die Spieler sind selten versnobt, sondern eher kernig und bodenständig. Auf Gut Aspern geht im Mai die Saison los und lockt mit klangvollen Turnieren wie dem Bentley Polo Classic und dem Hamburger Polo Derby. Die enge Beziehung zu großen Marken als Sponsoren ist wichtig für die Finanzierung dieses aufwändigen Sports. Auch in dieser Saison wird Christopher Kirsch wieder rasante Bälle schlagen, die übrigens eine Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h erreichen können.


Die Geschichte des Polosports

Die Anfänge des Polosports liegen in Persien, ab dem 6. Jahrhundert vor Christus ist es aus dem Iran und Zentralasien bekannt. Im 16. Und 17. Jahrhundert wurde das Spiel, übrigens damals schon von Männern und Frauen gespielt, immer populärer. In der Spätantike hielt der Sport Einzug ins Römische Reich, neben dem Kaiserpalast in Konstantinopel gab es ein Polo-Spielfeld. Polo breitete sich auch nach Arabien und Indien aus. Durch die in Indien stationierten Kavallerie-Offiziere gelangte das Spiel schließlich im 19. Jahrhundert nach Großbritannien und war sogar fünf mal olympische Disziplin. Ein Legationsrat in Buenos Aires lernte Polo dort kennen und führte es in Deutschland ein. Der Hamburger Polo Club war 1898 der erste Polo-Club Deutschlands.




Claudia Schaffhausen

Claudia Schaffhausen

Mit dem Background als Marketingfachfrau für Tourismus und Kultur bringt sie ihr Faible für Reisen, besondere Locations und Genuss in die Stories für Tweed ein. Zudem hält sie als CvD für die gedruckte Ausgabe von Tweed alle Fäden zusammen.

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