Gegen Ende des Gesprächs fragt jemand, ob das dort der Pokal von Daytona sei. Laurin Heinrich (24) nickt, entschuldigt sich, drei Minuten noch, er werde gleich gebraucht. Den Pokal hat er mit dem Team Porsche Penske Motorsport im Januar 2026 selbst geholt: die 24 Stunden von Daytona, eines der größten Sportwagenrennen der Welt. Zwei Monate später kam der Sieg im 12-Stunden-Rennen von Sebring/Florida dazu.

Wir sitzen in Indianapolis, einen Tag vor dem 500-Meilen-Rennen. Hier ist er nur Gast, eine andere Welt: andere Autos, anderes Personal. „Ich war ein bisschen geschockt, als ich gestern an der Strecke ankam", sagt das in Kürnach bei Würzburg geborene Ausnahmetalent. Die Indycars fahren nur Linkskurven; seine Welt sind die langen Nächte der Sportwagen.
Der jüngste Werksfahrer bei Porsche
Laurin Heinrich ist der jüngste Werksfahrer bei Porsche. Er steuert den 963, einen Prototypen der höchsten Kategorie in der International Motor Sports Association (IMSA). Für die langen Rennen ist er der dritte Mann im Werksauto, an der Seite des Brasilianers Felipe Nasr und des Franzosen Julien Andlauer. Über seinen Stil spricht man wie über ein Handwerk: leise, sauber, sparsam am Lenkrad. Er prügelt das Auto nicht, er hält es ruhig. Der US-Rennfahrer Gunnar Jeannette, der ihn 2024 nach Amerika holte, nennt ihn „einen herzensguten Menschen mit dem Kopf am absolut richtigen Fleck".

Geträumt hat Laurin Heinrich davon nie. „Das war für mich zu weit entfernt." Sein Vater handelt mit Gebrauchtwagen und hatte, wie der Sohn sagt, Benzin im Blut. 2009 nahm er den Achtjährigen mit auf die Kartbahn, jeden zweiten Sonntag. Zwei Jahre später sammelte Laurin, zehn Jahre jung, erste Erfahrungen im Kart.
Formel 4 im eigenen Team – ohne Versicherung
2017 wurde daraus mehr. Papa Harald kaufte ein gebrauchtes Formel-4-Auto – für knapp die Hälfte des Neupreises von 60.000 Euro. Und eröffnete dem Sohn, er fahre nächstes Jahr Formel 4. Bei welchem Team? Bei Prema? Van Amersfoort? „Nein", so Harald Heinrich, „wir machen unser eigenes Team". Zwei Bekannte aus der Kartzeit schraubten kostenlos, das war die Mannschaft. Kein Ingenieur, kein Testtag. „Im ersten freien Training habe ich die Strecke jeweils zum ersten Mal in meinem Leben gesehen", erinnert sich Laurin. Versicherung? Kein Geld! Sie fuhren ohne. Jeder Schaden, sagt er, hätte das Ende bedeuten können.
Im Herbst war das Budget aufgebraucht. Der Vater bot an, es noch einmal genauso zu versuchen. Diesmal lehnte der Filius ab. Schneller sei er so ohnehin nicht geworden, das eine. Das andere: Er habe gesehen, was die Sache mit Heinrich senior machte, einem Selbständigen, der tagsüber Autos verkaufte und abends am Rennwagen schraubte. „Zu dem Zeitpunkt war das für mich vorbei. Es gab keinen Wiedereinstieg." Ein Jahr lang saß er nur im Simulator.