Eine Lünette, die rechnet
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Cockpit einer kleinen Maschine und nähern sich einem stark frequentierten Flughafen. Der Lotse weist Ihnen eine Warteschleife zu, ein langgezogenes Oval über einem Funkpunkt am Boden, in dem über und unter Ihnen weitere Flugzeuge kreisen. Bevor Sie einbiegen dürfen, müssen Sie aus Ihrer momentanen Flugrichtung das richtige von drei standardisierten Einflugverfahren wählen. Eine falsche Wahl verletzt geschützten Luftraum. Im Verkehrsflugzeug übernimmt das der Bordcomputer. Fällt die Elektronik aus, oder fliegt man in einer kleinen Maschine ohne solche Hilfen, rechnet der Pilot im Kopf, während er funkt, die Höhe hält und das Flugzeug stabilisiert.

Bei der Watches & Wonders im April fielen die Neuheiten dieses Jahres überschaubar aus. Ein Modell jedoch wurde mir am Rande gezeigt, nicht am Stand, sondern im geschlossenen Raum, unter Sperrfrist. Mehr als eine Skizze auf dem Teppich zu den Einflugverfahren gab es nicht zu sehen.
Nun darf auch darüber geschrieben werden: Die Alpina Startimer Pilot Chronograph Automatic IFR, entwickelt mit dem Schweizer Labor Watch Angels, löst das Problem rein mechanisch, ohne Batterie, ohne Elektronik.
So funktioniert der mechanische Holding-Pattern-Rechner
Die äußere Lünette mit 360-Grad-Skala wird kurz nach unten gedrückt und damit vom inneren Ring am Zifferblattrand entkoppelt. So eingestellt, dreht der Pilot den vorgegebenen Einflugkurs auf die Zwölf. Beim Loslassen greifen beide Ringe wieder ineinander; gemeinsam gedreht, bis der eigene Kurs an einer zweiten Marke steht.

In zwei Sichtfenstern erscheint die Antwort: orange für den direkten Einflug, rot für den tropfenförmigen Bogen, blau für die parallele Annäherung, samt exaktem Kurs für den ersten Schenkel. Das Rechenwerk steckt vollständig in der 44,5 Millimeter messenden Keramiklünette und im inneren Ring, unabhängig vom Uhrwerk.
„Im Schulungsbetrieb scheitern Anwärter beim Holding-Eintritt selten am Können, sondern an der Geschwindigkeit der Geometrie im Kopf. Was diese Lünette in zwei Drehungen erledigt, schenkt einem genau die Sekunden, in denen man eigentlich besser dem Tower zuhören sollte."
So formuliert es Floris Helmers, Mitgründer der Flugschule Hamburg und bis heute aktiver Fluglehrer, im Gespräch trocken.

Gehäuse, Kaliber Sellita SW531b, UTC-Funktion
Das 43 Millimeter große Stahlgehäuse greift die Linie der für 2026 überarbeiteten Startimer-Kollektion auf, satinierte Flanken, polierte Kanten, druckdicht bis zehn Bar. Das Automatikwerk, ein Sellita SW531b mit Schaltradsteuerung, mechanisch, durch die Armbewegung selbst aufziehend, läuft 62 Stunden. Dazu ein Stoppmechanismus mit Zwölf-Stunden-Zähler und ein UTC-Zeiger für die weltweit einheitliche Bezugszeit der Luftfahrt. Blaues Zifferblatt mit Sonnenschliff, aufgesetzte leuchtende Ziffern, bei der Neun eine kleine rotierende Sekundenscheibe.
Eine Fliegeruhr als Werkzeug
Die Kategorie Fliegeruhr hat ihren funktionalen Anspruch über die Jahrzehnte weitgehend abgelegt. Geblieben sind Flugzeugmotive auf Gehäuseböden. Eine echte Rechenfunktion, wie sie die Breitling Navitimer seit 1952 mit ihrer Rechenschieberlünette bot, ist zur Ausnahme geworden. Die Startimer IFR knüpft an genau diese Tradition an: Werkzeug, kein Andenken.


Preis, Limitierung, Verfügbarkeit
Limitiert auf 300 Exemplare, seit dem 21. Mai im Vorverkauf bei Watch Angels, bis 30. November 2026, Auslieferung im Dezember. 4.295 Euro, inklusive Mehrwertsteuer und Versand. Für eine eigens entwickelte Komplikation dieser Art selbstbewusst, aber nicht überzogen. Selten löst eine Fliegeruhr ein reales Problem im Cockpit, statt es dekorativ zu zitieren, und gerade darum ist sie für mich das interessanteste Stück aus diesem Genfer Frühjahr.
Alpina Startimer Pilot Chronograph Automatic IFR – Daten: Gehäuse Edelstahl, 43 mm (Lünette 44,5 mm, Keramik), wasserdicht bis 10 bar. Kaliber Sellita SW531b, Automatik, Schaltrad, 62 Stunden Gangreserve. Chronograph mit 15-Minuten- und 12-Stunden-Zähler, zentrale UTC-Anzeige. Limitiert auf 300 Exemplare, 4.295 Euro, exklusiv bei Watch Angels.





Häufige Fragen zur Alpina Startimer Pilot Chronograph IFR
Was kostet die Alpina Startimer Pilot Chronograph Automatic IFR?
4.295 Euro, inklusive Mehrwertsteuer und Versand. Der Vorverkauf läuft exklusiv bei Watch Angels bis zum 30. November 2026, die Auslieferung erfolgt im Dezember 2026.
Wie funktioniert der mechanische Holding-Pattern-Rechner?
Die Keramiklünette wird nach unten gedrückt und vom inneren Ring entkoppelt, der vorgegebene Einflugkurs auf 12 Uhr gedreht, dann beide Ringe gemeinsam auf den eigenen Kurs gestellt. Zwei Sichtfenster zeigen das Einflugverfahren farbcodiert: orange für den direkten Einflug, rot für den Teardrop, blau für die parallele Annäherung. Das System arbeitet vollständig mechanisch und unabhängig vom Uhrwerk.
Welches Uhrwerk steckt in der Startimer IFR?
Das Automatikkaliber Sellita SW531b mit Schaltradsteuerung, 62 Stunden Gangreserve, 15-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sowie zentraler UTC-Anzeige.
Wie groß ist die Uhr und wie wasserdicht?
Das Stahlgehäuse misst 43 Millimeter, die Keramiklünette 44,5 Millimeter. Die Uhr ist bis 10 bar (100 Meter) wasserdicht.
Wie viele Exemplare gibt es?
Die Auflage ist auf 300 nummerierte Exemplare limitiert. Weder die Komplikation noch diese Konfiguration werden erneut produziert.
Was unterscheidet die Startimer IFR von anderen Fliegeruhren?
Sie ist die erste mechanische Armbanduhr, die Holding-Pattern-Einflüge nach Instrumentenflugregeln (IFR) berechnet. Anders als bei rein dekorativen Fliegeruhren erfüllt die Rechenfunktion eine reale Aufgabe im Cockpit – vergleichbar mit der Rechenschieberlünette der Breitling Navitimer von 1952.