Der erste Ferrari, dem ich nahekam, gehörte einem griechischen Wirt in Horumersiel an der Nordsee, bei dem meine Eltern und ich häufiger einkehrten. Vor seinem Restaurant stand, im Wangerland etwas untypisch, ein roter Testarossa, und einmal durfte ich als kleiner Junge einsteigen. Zunächst müsse der Wagen warmlaufen, erklärte er in seinem nicht ganz akzentfreien Deutsch. Erst wenn der Motor heiß sei und man ihn treten dürfe, sei es, wörtlich, „Inferno", mit stark gerolltem „R". Diesen Zustand habe ich leider nie erlebt, aber ich habe ihm aufs Wort geglaubt. Es war der klassische Zwölfzylinder von 1984, jenes breithüftige Poster-Auto, dessen Namen Ferrari nun neu vergibt.
Die Geschichte des Ferrari Testarossa
Testa Rossa heißt „roter Kopf". Gemeint waren die rot lackierten Ventildeckel, mit denen Ferrari in den fünfziger Jahren seine schärfsten Rennmotoren kenntlich machte.
Erstmals trug 1956 der Rennwagen 500 TR diesen Namen. Zur eigentlichen Legende aber wurde der 250 Testa Rossa: Der Zwölfzylinder-Sportwagen gewann zwischen 1958 und 1961 dreimal die 24 Stunden von Le Mans und trug entscheidend zu Ferraris Titeln in der Sportwagen-Weltmeisterschaft bei. Wer von einem echten Testa Rossa spricht, meint bis heute diesen Wagen.
1984 kehrte der Name auf die Straße zurück. Vorgestellt auf dem Pariser Salon und von Pininfarina gezeichnet, war der Ferrari Testarossa ein Mittelmotorwagen mit einem flachen Zwölfzylinder von knapp fünf Litern Hubraum und rund 390 PS. Seine seitlichen Luftschlitze, zugleich Funktion und Provokation, machten ihn unverkennbar, und als weißes Exemplar in der Serie „Miami Vice" wurde er zur Ikone der achtziger Jahre. In mehr als 7000 Exemplaren gebaut, zählte er zu den erfolgreichsten Ferrari seiner Epoche. Ihm folgten der 512 TR (1991) und der F512 M (1994), ehe die Baureihe 1996 auslief und der Name fast drei Jahrzehnte ruhte.






Mit dem 849 Testarossa und dem offenen 849 Testarossa Spider kehrt er 2025 zurück, als Nachfolger des SF90 und als Plug-in-Hybrid mit 1050 PS. Dass ein Titel, der für saugende Zwölfzylinder steht, nun einen aufgeladenen V8 mit drei Elektromotoren trägt, ist der eigentliche Bruch in dieser Geschichte.
Der 849 Testarossa Spider im Fahrbericht

Neugierig genug, diesen Bruch zu prüfen, flog ich nach Teneriffa. Die Straßen dort winden sich in engen Kehren zum Teide hinauf, und die Höchstgeschwindigkeit von über 330 km/h bleibt hier eine theoretische Größe. Ausfahren lässt sich ein solches Auto auf einer Bergstraße ohnehin nicht. Öffnet man am Kurvenausgang das Gas, setzt der Vortrieb ohne die Verzögerung ein, die man von aufgeladenen Motoren kennt: Die drei Elektromotoren überbrücken das Turboloch, während der V8 mit seinen 830 PS darunter zu Kräften kommt. Der Schub presst einen in den Sitz, die nächste Kehre ist plötzlich zum Greifen nah, und man braucht ein paar dieser Antritte, ehe man ihnen wirklich traut. Er ist gewaltig und zugleich ungewöhnlich gleichmäßig, und bei aller Technik, die darunter arbeitet, macht das schlicht große Freude.

In den Kehren allerdings meldet sich das Gewicht. Ferrari beziffert das Leistungsgewicht als das günstigste, das man in Maranello je erreicht habe, und dennoch sind die annähernd 1,7 Tonnen spürbar, sodass sich die Kraft nur in kurzen Schüben abrufen lässt. Wer den kleineren, leichteren 296 kennt, wird dessen Behändigkeit vermissen. Der Testarossa ist kraftvoller, aber subjektiv nicht ganz so wendig.

Der Klang: die kleine Enttäuschung
Womit wir an der Stelle angelangt wären, an der mein Wirt den Wagen beurteilt hätte. Der alte Testarossa war laut, weil ihm nichts das Lautsein verbot. Der neue muss den Vorschriften genügen, und weil ein leiser Ferrari sich womöglich schwerer verkauft, wird der Klang elektronisch nachgeschärft und in die Kabine gespielt. So kommt es, dass ich den Motor bei geschlossenem Dach lauter höre als bei offenem: Man fährt einen offenen Ferrari und schließt das Verdeck, um ihn besser zu hören. Was man dann hört, kommt aus dem Lautsprecher. Es ist die eine Stelle, an der dieser Ferrari etwas vermissen lässt.
Fazit
Hier kommt allerdings der Zeitgeist ins Spiel. Ob man das Verhältnis zur Nachbarschaft verbessert, wenn regelmäßig ein akustischer Düsenjet durch die Straße donnert, bleibt fraglich. Ansonsten ist es wieder ein richtiger Ferrari: schön gezeichnet, in Grau und Rot ungewöhnlich zurückhaltend, mit einer fast absurden Beschleunigung und großem Fahrvergnügen. Ich würde ihn ohne Zögern nehmen, passt leider aktuell nicht in die Firmenauto-Policy. Nur würde ich, stünde er in meiner Garage, den Motor gelegentlich starten und an jenen anderen denken, der vor dem Restaurant in Horumersiel stand. Ihn habe ich nie ausfahren hören. In der Erinnerung ist er lauter als alles, was heute aus den Lautsprechern dringt.

Technische Daten: Ferrari 849 Testarossa Spider
- Antrieb: Plug-in-Hybrid, Twin-Turbo-V8 plus drei Elektromotoren
- Systemleistung: 1050 PS (772 kW)
- Verbrennungsmotor: V8, 3990 cm³, 830 PS (611 kW), 842 Nm, max. 8300/min
- Elektroleistung: 220 PS (163 kW), Batterie 7,45 kWh, bis zu 25 km rein elektrisch
- Getriebe: 8-Gang-Doppelkupplung
- 0–100 km/h: unter 2,3 s
- 0–200 km/h: 6,5 s
- Höchstgeschwindigkeit: über 330 km/h
- Leergewicht: 1660 kg, Leistungsgewicht 1,58 kg/PS
- Rundenzeit Fiorano: 1:18,1 min
- Verdeck: versenkbares Hardtop, öffnet in 14 s bis Tempo 45
Häufige Fragen zum Ferrari Testarossa (FAQ)
Was bedeutet „Testarossa"?
Testa Rossa ist italienisch für „roter Kopf" und verweist auf die rot lackierten Ventildeckel früher Ferrari-Rennmotoren. Erstmals trug 1956 der 500 TR diesen Namen.
Wann kam der erste Ferrari Testarossa als Straßenauto?
1984, vorgestellt auf dem Pariser Salon, gezeichnet von Pininfarina, mit einem flachen Zwölfzylinder von knapp fünf Litern und rund 390 PS.
Was ist der 849 Testarossa Spider?
Der 2025 vorgestellte offene Nachfolger des SF90 Spider, ein Plug-in-Hybrid mit 1050 PS und versenkbarem Hardtop.
Wie viel PS hat der 849 Testarossa Spider?
1050 PS Systemleistung, aus einem 830 PS starken Twin-Turbo-V8 und drei Elektromotoren mit zusammen 220 PS.
Wie schnell ist der 849 Testarossa Spider?
0 bis 100 km/h in unter 2,3 Sekunden und über 330 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Ist der neue Testarossa ein V12?
Nein. Anders als der Ur-Testarossa von 1984 nutzt der 849 einen aufgeladenen V8 mit Hybridsystem.
Fährt der 849 Testarossa Spider rein elektrisch?
Ja, dank der 7,45-kWh-Batterie bis zu 25 Kilometer weit.