Wenn man vor der Burlington Arcade an der Nathan Road Nr. 94 im Gebiet Tsim Sha Tsui des Hongkonger Stadtteils Kowloon steht, glaubt man zunächst, dass man die falsche Adresse angesteuert hat. Im kleinen Schaufenster im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes hängen und stehen vergilbte Fotos der letzten Jahrzehnte. Außen flackert eine trashige Neon-Leuchtreklame in bunten Farben. Der Eingang zum Laden ist schmal, nicht mal einen Meter breit. Solche Schneidereien gibt es in Hongkong an jeder Straßenecke. Seit Jahrzehnten gilt die asiatische Millionen-Metropole als Mekka der maßgefertigten Anzüge. In den 1960er-Jahren überholte Hongkong sogar die legendäre Londoner Savile Row als weltweites Zentrum der Maßschneiderei. Und in diesem grellen Laden soll sich der bekannteste Maßschneider der Welt befinden?

Womöglich hat sich der Taxifahrer einen schlechten Scherz erlaubt oder sich einfach in der Adresse geirrt. Betritt man Sam’s Tailor, wird der Eindruck nicht besser. Von Glamour keine Spur. In dem Geschäft, das sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat, ist es eng und stickig. In dem gerade einmal 50 Quadratmeter kleinen Laden stapeln sich Stoffrollen bis unters Dach, überall hängen halbfertige und fertige Anzüge. Daneben liegen Hunderte Hemden, die auf ihre neuen Besitzer warten. Es gibt nicht einen Zentimeter an der Wand, der nicht als Lager dient. Zudem geht es extrem hektisch zu. Überall wuseln Schneider um Kunden herum, die Anzugmodelle präsentieren, Stoffe zeigen und ausmessen. Weitere Mitarbeiter filmen mit Kameras und Handys das Geschehen und wechseln andauernd ihre Position, um den besten Blick für eine Live-Übertragung im Internet zu haben. Dazu kommen ständig Lieferanten zur Tür rein, die Ware bringen oder abholen. Und auch Fans, die Selfies oder Autogramme ergattern wollen, erzeugen reichlich Unruhe. Im Grunde hat man permanent das Gefühl, jemandem im Weg zu stehen. Immer wieder klingelt das Telefon.

Als Kunde muss man hier definitiv stressresistent sein. Dabei stellt man sich den Besuch bei einem weltberühmten Maßschneider in einer gediegenen, diskreten, leisen, konservativen und luxuriösen Atmosphäre vor. Doch davon ist hier rein gar nichts zu spüren. Sam’s Tailor ist das genaue Gegenteil. Aber was macht genau diesen Laden dann so besonders?

Roshan Melwani – der Mann, der Anzüge zum Internet-Hit macht
Roshan Melwani ist laut, grell und provokant.
Für die hektische Szenerie im Laden sorgt in erster Linie Geschäftsführer Roshan Melwani. Der ist alles andere als diskret und leise, vielmehr versprüht er eine kaum zu beschreibende Energie. Sein kleiner Laden ist seine große Bühne: Roshan Melwani begrüßt die Kunden überschwänglich, dirigiert seine Mitarbeiter, gibt Anweisungen, macht Witze und erzählt nebenbei unterhaltsame Storys. Zwischendurch schreibt er fast im Minutentakt Autogramme, weil ständig Fans in sein Geschäft strömen.
Denn Roshan Melwani verpasst nicht nur jedem Kunden – vom Studenten bis zum US-Präsidenten oder König – den passenden Maßanzug. Er ist mittlerweile auch selbst ein Star. Alles, was in Sam’s Tailor geschieht, wird live im Internet gestreamt. Im Laufe der letzten Jahre hat er sich damit über Social Media eine riesige Followerschaft aufgebaut. Was durchaus überrascht.
Seitdem begeistern sich auch immer mehr junge Leute für einen klassischen Dreiteiler. Darauf ist Roshan Melwani sichtlich stolz, wie er uns verrät:
„Ich fühle mich großartig, weil Kids Anzüge cool finden und sie lieben. Das hat noch kein Bekleidungsunternehmen jemals zuvor geschafft.”
Genauso wenig wie ein Maßschneider, der zum Internet-Phänomen aufsteigt. Die neuartige Begeisterung für Maßanzüge bei Jugendlichen und jungen Männern liegt in erster Linie an Show-Man Roshan, wobei auch viele Frauen zu seinen Fans gehören. Wenn er die Maße eines Kunden nimmt, macht er das auf eine etwas ungewöhnliche Art, um es vorsichtig zu formulieren. Kunden werden betatscht, Roshan fasst ihnen ins Gesicht, dreht die Köpfe wild hin und her. Um den Sitz der Hose unterhalb des Beckens zu kontrollieren, schlägt er den Leuten gerne mehrmals fest auf den Hintern. Qualitätscheck à la Roshan. Es dürfte weltweit nicht viele Schneider geben, die sich das trauen. Bei Roshan gehört das aber quasi zum guten Ton. Genau wie die Tatsache, dass er sich mit einem Augenzwinkern über seine Kunden lustig macht. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, witzelt über das Gewicht oder die Nationalität. Da er seine Anproben stets live im Netz überträgt, sofern der Kunde dafür sein Einverständnis gegeben hat, wissen die Leute genau, was auf sie zukommt. Keiner scheint damit ein Problem zu haben. Seine Fans sind jedenfalls von den kleinen Videos begeistert, die millionenfach geklickt werden.
Fachfremde Fans: Roshan Melwanis Millionen junge Follower auf TikTok und Instagram interessierten sich eigentlich überhaupt nicht für Maßanzüge. Sie trugen lieber Jeans oder Jogginghosen. Bis er kam.
Aus der Not ein Internet-Hype: wie Corona alles veränderte
Aus der Not wird ein Internet-Hype.
Dass Roshan damit zum Social-Media-Star werden würde, war weder geplant noch vorhersehbar, sondern ein Zufall: Während der Covid-19-Pandemie muss auch Sam’s Tailor schließen. Um die Miete für den Laden aufzubringen und seine mehr als 60 Angestellten weiter bezahlen zu können, kommt ihm eine glorreiche Idee: Er überträgt live aus seinem leeren Laden heraus Anzug-Tutorials, erklärt, worauf es bei Schnitten und Stoffen ankommt. Dem umtriebigen, kommunikativen Unternehmer geht es dabei auch um die Interaktion mit den Usern.
„Ohne meine Kunden fühlte ich mich einsam. Ich wollte einfach mit jemandem sprechen.”
Dann geschieht etwas Unerwartetes: Während der Live-Streams beginnen plötzlich die Zuschauer, Anzüge zu bestellen. Die Kunden müssen ihm lediglich ihre Maße schicken. Oder er misst sie via Zoom gleich selbst aus. Die virtuellen Beratungsgespräche und Vermessungen verbreitet er anschließend über Social Media. Er beginnt, Maßanzüge in die ganze Welt zu verkaufen. Nur eine Woche später halten die Kunden das fertige Produkt in ihren Händen. Über Nacht erschließt sich Roshan damit eine neue Einnahmequelle, die Sam’s Tailor bestens durch die Lockdowns bringt. Und auch nach deren Ende streamt Roshan fleißig seine teils provokanten Videos weiter – und wird dadurch zum Internet-Star. Kein anderer Schneider auf der Welt hat nur ansatzweise so viele Fans und Follower wie Roshan Melwani. Mittlerweile gibt es auf TikTok und Co. sogar unzählige Parodien auf Roshans Videos. Ein deutliches Indiz dafür, dass man es zum Social-Media-Phänomen geschafft hat.
Von Militäruniformen zum Jet-Set: die Geschichte von Sam’s Tailor
Damit war vor ein paar Jahren noch überhaupt nicht zu rechnen. Dem im Jahr 1977 in Hongkong geborenen Roshan Melwani wird die Kunst des Maßschneiderns in die Wiege gelegt. Jeden Tag nach der Schule besucht er seinen Vater Manu und seinen Großvater und Firmengründer Sam im Geschäft. Dort trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen. „Der Laden war immer voll, und bei uns haben die Leute aus verschiedensten sozialen Schichten eingekauft. Das fand ich immer sehr spannend.” Der Vater bringt ihm mit 12 Jahren bei, wie man ein Gespräch mit Kunden beginnt, die dreimal so alt sind wie er. „Mein Vater erklärte mir: ‚Du gehst zu ihnen hin und fragst sie freundlich: Hey, waren Sie im berühmten Restaurant The Peak? Hatten Sie Dim Sum?’ Zwei einfache Fragen, und schon ist das Eis gebrochen.”
Zudem lernt er vom Vater, wie wichtig das richtige Marketing ist. Als sein Großvater Sam, ein Einwanderer und gelernter Schneider aus Indien, im Jahr 1957 an der Nathan Road seinen Laden eröffnete, stellte er zunächst hauptsächlich Uniformen für das damals in Hongkong stationierte britische Militär her. Zu den Aufträgen gehörten auch Maßuniformen für die Offiziere und Generäle. So entstanden beste Kontakte zu hochrangigen Militärs. Das Geschäft lief blendend. Für Sam Melwani arbeiteten bis zu 200 Schneider in einer externen Produktionsstätte, um die ganzen Aufträge abzuarbeiten. Zu Ehren des 50. Betriebsjubiläums erschien sogar eine offizielle Briefmarke, die Melwanis bekamen zudem für ihre Dienste verschiedene Orden verliehen. Auch diese Auszeichnungen hängen zwischen den unzähligen Promi-Fotos an den Wänden des Ladens.
Sechs US-Präsidenten, Royals und Popstars als Kunden
Als Vater Manu das Geschäft übernimmt, will er seinen Kundenstamm erweitern. Dafür schickt er unaufgefordert handgeschneiderte Hemden an Politiker und Promis. Die sind offenbar von der Qualität überzeugt, senden ihm Dankesschreiben und besuchen ihn bei einem Stopp in Hongkong in seinem Laden.

So kommt es, dass die absolute Top-Prominenz aus Politik, Sport und dem Showbusiness in seinem winzigen Laden steht. Bei Sam’s Tailor werden beispielsweise ganze sechs US-Präsidenten eingekleidet: Barack Obama, George W. Bush, Ronald Reagan, George H. W. Bush, Gerald Ford und Bill Clinton. Auch König Charles III. gehört zu seinen Kunden, genauso wie einst seine Mutter, Queen Elizabeth II. Natürlich lässt sich auch die Popstar-Elite hier ihre Klamotten auf den Leib schneidern, wie Michael Jackson, David Bowie, George Michael, Bruno Mars, Kylie Minogue oder Ronan Keating. Als Prince in dem Laden auftaucht, wird es hektisch. Der Superstar bestellt für seine Show in Hongkong einen silbernen Seidenanzug, der aber innerhalb von weniger als 48 Stunden fertig sein muss. Die Melwanis nehmen die Herausforderung an und liefern den Anzug rechtzeitig für den großen Auftritt. Auch Hollywood wird auf Sam’s Tailor aufmerksam: Richard Gere, John Travolta, Russell Crowe und viele weitere statten der kleinen Schneiderei einen Besuch ab, genauso wie die Sportgrößen Boris Becker, John McEnroe oder Harry Kane. Sogar die Lichtgestalt der Mode-Designer, Karl Lagerfeld, und Top-Model Naomi Campbell machen sich ein Bild von Sam’s Tailor. Alle prominenten Besucher sind fein säuberlich auf Fotos dokumentiert, die hier überall hängen. Beim Betrachten der unzähligen Bilder drängt sich weniger die Frage auf, wer sich alles einen Anzug bei Sam’s Tailor hat machen lassen. Vielmehr fragt man sich, wer hier noch keinen Anzug bestellt hat.
Vom Finanzstudenten zum Anzugflüsterer
Zunächst plant Roshan Melwani aber gar nicht, in die Fußstapfen von Vater und Großvater zu treten. Zwar arbeitet er neben der Schule in jeder freien Minute im Laden mit. Aber nach seinem Schulabschluss zieht es ihn mit 18 Jahren erst einmal in die große weite Welt. An der New York University studiert er Finanzwesen. Nach seinem Universitätsabschluss fängt er in einer Anwaltskanzlei an, später arbeitet er für zwei Start-ups in London. Doch glücklich wird er in seinen Jobs nie so richtig. Dem groß gewachsenen und sportlichen Paradiesvogel mit seiner lauten, extrovertierten Art fehlt schlicht und einfach der Kontakt zu den Kunden. Als ihn sein Vater Manu im Jahr 2000 fragt, ob er denn nicht den Laden übernehmen wolle, zögert Roshan keine
„Die Entscheidung war ein Kinderspiel. Warum sollte ich nicht meine Energie und meine Leidenschaft in dieses Geschäft investieren? Ich weiß schließlich genau, was wir in den letzten Jahrzehnten erreicht haben. Ich wollte weiterhin ein Teil davon sein.”
Hier hat er zudem den Raum, um sein starkes Mitteilungsbedürfnis an den Mann zu bringen, das aber nie unangenehm ist, dafür stets unterhaltsam.
Die bewusste Entscheidung für die Maßschneiderei ist allerdings mit viel Arbeit verbunden. Roshan steht jeden Morgen um 5 Uhr auf und trinkt erst mal sechs Espressi – was man ihm deutlich an seiner hektischen Art anmerkt. Dann geht es auf seine „Bühne”, in den Laden. Er ist stets extrovertiert gekleidet im Dreiteiler, meist in auffälligen Mustern, und immer mit der Anzug-Weste mitsamt dem runden Signature-Cut. Ab jetzt werden seine Kunden laut und schrill umsorgt und nebenbei seine Online-Fans unterhalten. Täglich zwölf lange Stunden, sechs Tage die Woche.
Vater und Sohn: zwei Gegensätze, ein Familienbetrieb
Nach wie vor wird er dabei von seinem heute 77-jährigen Vater Manu unterstützt, der das genaue Gegenteil seines Sohnes ist. Manu Melwani ist ein ruhiger, besonnener, eher introvertierter Typ, der eine natürliche Autorität ausstrahlt. Mit Argusaugen wacht er darüber, dass in dem kleinen Laden alles seinen korrekten Gang nimmt. Von seinem Platz hinter dem Tresen beobachtet er aufmerksam das wilde Treiben und muss manchmal den Kopf schütteln. Aber er lässt seinen Sohn machen, der genau wie er den Laden neu erfunden hat. Als Manu Melwani Sam’s Tailor von seinem Vater übernahm, schaffte er es mit geschicktem Marketing, die Produktion von Uniformen auf zivile Maßkleidung umzustellen, dabei aus der Masse der unzähligen Maßschneider in Hongkong herauszustechen und den internationalen Jet-Set einzukleiden. Ein Turnaround, der dringend notwendig wurde, nachdem Hongkong im Jahr 1997 von den Briten an China übergeben wurde, denn nun waren keine britischen Uniformen mehr gefragt. Roshan hat den Laden nun in der dritten Generation zum Social-Media-Phänomen ausgebaut. Dennoch vergisst er nie, wo er herkam und wem er sein berufliches Glück zu verdanken hat:
„Das Geschäft, in dem ich hier sitze, hat mein Vater in jahrzehntelanger, harter Arbeit aufgebaut. Ich werde ihn immer dafür bewundern und zolle ihm großen Respekt. Er ist ein Gott für mich.”
Qualität und faire Preise statt reiner Promi-Show
Qualität und faire Preise stehen immer noch im Vordergrund.
So unterschiedlich Vater Manu und sein Sohn Roshan auf den ersten Blick erscheinen, so sehr verbindet sie die Liebe zu ihrem Produkt und der bedingungslose Fleiß mit ihren 72-Stunden-Wochen. Denn wer jetzt glaubt, dass es hier entweder völlig überteuerte Promi-Anzüge für ein paar Tausend Dollar aufwärts oder aber billige Ramschware wegen des Social-Media-Ruhms gibt, liegt völlig daneben. Bei Sam’s Tailor wird stets auf eine sehr gute Qualität geachtet, die man hier für einen vernünftigen Preis bekommt. Ein normaler Dreiteiler kostet nicht mehr als 500 Dollar. Je nach Ausführung und Stoff kann es auch etwas teurer werden. Alle Preise sind real und keine Lockangebote. Daher shoppen hier eben nicht nur Prominente, sondern auch ganz gewöhnliche Geschäftsleute oder Studenten, die ein passendes Outfit für ihre Abschlussfeier benötigen. Normalerweise dauert es vom Ausmessen bis zur finalen Fertigstellung des Anzugs eine Woche. Roshan bietet zwar auch seine berühmte 24-Stunden-Option an, er weist dann aber darauf hin, dass der Kunde dann möglicherweise Abstriche bei der Passform machen muss. Auf die drei Anproben, die sonst bei Sam’s Tailor Standard sind, muss man in diesem knappen Zeitraum verzichten.
Die positiven Rezensionen im Internet überschlagen sich geradezu vor Begeisterung. Das Festhalten an der Qualität könnte auch der Grund dafür sein, warum Sam’s Tailor nicht das gleiche Schicksal wie das so vieler Familienunternehmen ereilt. Oftmals gründet die erste Generation das Business. Die zweite Generation baut das Geschäft aus. Und die dritte fährt es schließlich gegen die Wand. Bei den Melwanis lief das glücklicherweise anders.
Der TWEED-Test: ein Maßanzug von Roshan Melwani
Oder ist doch nur alles ein großer Online-Hype, weil jeder ein bisschen was vom Ruhm des bekanntesten Maßschneiders der Welt abhaben möchte? Stimmt die Qualität noch? Dem wollte TWEED auf den Grund gehen und ließ sich einen Maßanzug bei Roshan fertigen. Es sollte ein Erlebnis der besonderen Art werden. Beim ersten Termin lernen wir Roshan und seinen Vater Manu kennen und werden vermessen. Roshan stellt sich uns als „Anzugflüsterer” vor.
„Nicht, weil ich mit Anzügen spreche, sondern mit meinen Kunden. Ich erwecke eine Vision zum Leben”, sagt er augenzwinkernd.
Kundenwünsche? Roshan weiß besser, was wem steht.
Schnell wird klar, was er meint. Auf Kundenwünsche geht er nur bedingt ein. Stattdessen erklärt er, welches Material, welcher Stil und welcher Schnitt am besten zu einem passt. Widerspruch lässt er nicht zu. Und das ist auch gut so: Als Kunde merkt man schnell, dass die Erfahrung aus vielen Jahrzehnten der Maßschneiderei zum besten Ergebnis führen wird. Roshan entscheidet, dass der beste Anzug für uns ein Dreiteiler aus grauer Super-150-Wolle mit Einreiher-Sakko samt Spitzrevers im Tom-Ford-Stil sowie einem extrovertierten Innenfutter aus Seide ist. Zudem besteht er auf einer Weste mit tiefem rundem Ausschnitt – sein Markenzeichen.
Übrigens wird die erste Besprechung und Vermessung per Livestream in die Welt übertragen. Drei Mitarbeiter filmen das Procedere, nachdem wir unser Okay gegeben haben. Das Video kann man auf dem Instagram-Account von TWEED anschauen. Am nächsten Tag findet bereits die erste Anprobe statt. Es folgen noch zwei weitere. Jeder einzelne Termin wird live im Netz gestreamt. Vor allem die dritte und letzte Anprobe nach knapp einer Woche hat es in sich. Jetzt ist Show-Mensch Roshan voll in seinem Element. Er redet wie ein Wasserfall, erzählt Storys über Prominente, spricht über den Sinn des Lebens und reißt Witze. Seine positive Energie ist ansteckend, mit seinem Humor muss man allerdings umgehen können. Bei der Anprobe dreht er meinen Kopf wild hin und her, streichelt über mein Gesicht. Zum Ende der Anprobe „checkt” er, ob die Hose auch korrekt sitzt. Es hagelt Klapse auf den Hintern. Ein etwas übergriffiges Verhalten, aber genau DAS schätzen seine Kunden und Fans. Eine Anprobe ohne Provokation gibt es bei Sam’s Tailor eben nicht. Als der fertige Anzug am Abend ins Hotel geliefert wird, ist das Ergebnis herausragend. Die verwendeten Materialien, wie Stoffe und Knöpfe, haben beste Qualität und fühlen sich gut an. Die Passform ist perfekt, der Anzug trägt sich wie eine zweite Haut. Auch die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen. Die Nähte sind exakt und mit einem festen Garn genäht und lösen sich nicht gleich wieder nach ein paar Wochen auf.
Das TWEED-Fazit
Sam’s Tailor macht sicher nicht die besten Maßanzüge der Welt, aber die Anzüge sind in jeder Hinsicht – von der Vermessung und Beratung über die verwendeten Stoffe bis hin zur Fertigung und den einzelnen Fittings – mit enormer Routine und Erfahrung gefertigt. Das sieht man dem Produkt auch an. Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt zu hundert Prozent. Trotz Social-Media-Hype bleibt Sam’s Tailor also seinem jahrzehntelangen Qualitätsversprechen treu.
Häufige Fragen zu Sam’s Tailor
Wo befindet sich Sam’s Tailor in Hongkong?
An der Nathan Road Nr. 94 in der Burlington Arcade, im Viertel Tsim Sha Tsui im Stadtteil Kowloon.
Wer ist Roshan Melwani?
Der 1977 in Hongkong geborene Chef von Sam’s Tailor in dritter Generation – international bekannt als „Anzugflüsterer” bzw. „TikTok Tailor”.
Was kostet ein Anzug bei Sam’s Tailor?
Ein klassischer Dreiteiler kostet nicht mehr als rund 500 US-Dollar; je nach Stoff und Ausführung auch etwas mehr.
Wie lange dauert ein Maßanzug bei Sam’s Tailor?
In der Regel etwa eine Woche mit drei Anproben. Auf Wunsch gibt es eine 24-Stunden-Option – dann sind aber Abstriche bei der Passform möglich.
Welche Prominenten waren Kunden bei Sam’s Tailor?
Unter anderem sechs US-Präsidenten, König Charles III., Queen Elizabeth II. sowie Stars wie Michael Jackson, David Bowie, Bruno Mars, Naomi Campbell und Karl Lagerfeld.