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Ferrari Luce. Fünf Sitze, vier Motoren, eine halbe Million Euro

Der Ferrari Luce wurde verspottet und an der Börse abgestraft. In Maranello läuft er trotzdem vom Band und deutlich erfolgreicher als die Autowelt erwartet hat.

Ferrari Luce. Fünf Sitze, vier Motoren, eine halbe Million Euro
Ferrari Luce Präsentation in Maranello
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Am Tag nach der Premiere des Ferrari Luce, am 25. Mai 2026 in Rom, verlor die Ferrari-Aktie an der Mailänder Börse acht Prozent. Im Netz wurde der erste Elektro-Ferrari mit einem Nissan Leaf verglichen, mit einem Staubsauger, mit einer Computermaus. Wenige Monate später stehe ich in Maranello in der Fertigung, und die Luce stehen Wagen an Wagen auf dem Band, jeder nach den Wünschen eines Käufers ausgestattet.

Stefano Campaci präsentiert den Ferrari Luce in Maranello

Am Abend zuvor hatte Ferrari Gäste aus ganz Europa empfangen, ich war für TWEED dabei. Am Eingang des Saals stand das Modell der Hypersail, eines dreißig Meter langen Rennboots, mit dem Ferrari ohne Treibstoff den Ozean überqueren will. Stefano Campaci, Kommunikationschef von Ferrari für Europa, nannte das Boot „nichts weniger als ein schwimmendes Labor“. Das Energiemanagement der Hypersail und das des Luce stammen aus derselben Entwicklung. Eine Woche lang, sagte Campaci, sei der Luce die meistdiskutierte Nachricht der Welt gewesen. Selbst Italiens Verkehrsminister hatte sich zu Wort gemeldet. Campaci bat die Gäste, einzusteigen und Fragen zu stellen, bevor sie urteilen. „Ihre Meinung soll auf Ihren eigenen Informationen beruhen, nicht auf dem, was jemand anderes gesagt, geschrieben oder mit KI erzeugt hat.“

An Aufmerksamkeit hat es dem Wagen nie gefehlt. Comscore zählte allein auf den Kanälen kommerzieller Anbieter in den ersten 48 Stunden 48 Millionen Videoaufrufe. In Maranello spricht man von mehreren Milliarden über alle Kanäle. Papst Leo hat in dem Wagen gesessen. Ich halte den Luce für eines der meistdiskutierten Autos der vergangenen zwanzig Jahre.

Ein Auto, das man sehen muss

Ich kannte den Luce bis dahin von den Pressefotos und einem kurzen Blick beim Goodwood Festival of Speed. Die meisten zeigten ihn in Giallo Luce, einem Gelb, das Ferrari aus dem Wappen abgeleitet hat. Mir gefiel es nicht, der Wagen wirkte darin glatt und flach. Vor dem Auto änderte sich mein Eindruck. Die Glaskuppel reicht fast bis an die Enden der Karosserie und wirkt leichter als auf jedem Bild. Der Luce ist gut fünf Meter lang, die Fondtüren öffnen gegenläufig, die Räder messen 23 Zoll vorn und 24 Zoll hinten. Gezeichnet haben ihn Jony Ive und Marc Newson mit ihrem Studio LoveFrom. Seit den Jahrzehnten mit Pininfarina hat Ferrari die Gestaltung eines Modells nicht mehr aus dem Haus gegeben.

Mit einem 12Cilindri hat der Luce wenig gemein. Ich hätte mir mehr Spannung gewünscht, eine tiefere, entschlossenere Linie. Man sieht ihm an, dass der Luftwiderstand Vorrang hatte. Sein cW-Wert von 0,254 ist der niedrigste, den Ferrari je bei einem Straßenauto erreicht hat.

Der Mini von der Elbchaussee

Der Luce hat fünf Sitze, Ferrari nennt ihn ein Familienauto. Händler sagten mir, er sei nie für die klassische Ferrari-Kundschaft gedacht gewesen. Er solle Käufer in den großen Metropolen gewinnen, die bisher andere Marken fahren. Laut Financial Times sollten die Händler vor allem neue Kunden in China und im Silicon Valley ansprechen. Nach Angaben von Ferrari ist etwa die Hälfte der Besteller neu bei der Marke. Bloomberg berichtete, Stammkunden seien zum Kauf gedrängt worden. Ferrari hat das zurückgewiesen.

Wer in Hamburg lebt, kennt ein Vorbild für diese Rolle. Der Mini ließ sich nie vernünftig begründen. Man kaufte ihn aus Zuneigung, und so stand er jahrzehntelang vor den Villen in Harvestehude und an der Elbchaussee, gefahren von der Hamburger Gattin auf dem Weg zum Wochenmarkt oder zur Schule. Der Luce könnte in Shanghai oder im Silicon Valley einen ähnlichen Platz finden, in Familien, deren Budget etwas großzügiger bemessen ist.

Ein Schlüssel aus Glas
Innen überzeugt der Luce ohne Einschränkung. Kippschalter und Drehregler liegen neben digitalen Anzeigen, die nur zeigen, was gebraucht wird. Das Aluminiumlenkrad zitiert die Holzlenkräder von Nardi aus den Fünfzigerjahren. Der Schlüssel ist aus Glas und trägt eine E-Ink-Anzeige. Steckt man ihn ein, läuft das Ferrari-Gelb über die Bedienfläche. Für die Launch Control zieht man an einem Griff im Dachhimmel. Ich habe selten ein Interieur gesehen, in dem Handwerk und Bedienung so genau aufeinander abgestimmt sind.

„Der Luce ist keine Reaktion auf Gesetze, keine Reaktion auf Emissionsvorschriften und keine Reaktion auf einen Markttrend“, sagte Campaci. Ferrari habe entschieden, die neueste verfügbare Technik voll auszuschöpfen, den elektrischen Antrieb. Vier Elektromotoren leisten zusammen 1.050 PS. Nach 2,5 Sekunden erreicht der Luce Tempo 100, die Batterie reicht für rund 530 Kilometer. Motoren und Batterie entstehen in Maranello, mehr als 60 Patente hat Ferrari dafür angemeldet.

550.000 Euro für den Schulweg

Der Preis beginnt bei 550.000 Euro. Für ein Auto des Alltags ist das viel Geld, auch für die Hamburger Gattin. Beim Purosangue war die Skepsis 2022 ähnlich groß, danach war er ausverkauft. Das Kontingent des Luce für 2026 soll nach zwei Monaten vergeben gewesen sein, ausgeliefert wird ab dem vierten Quartal. Die Wagen, die ich in Maranello auf dem Band gesehen habe, haben jedenfalls Käufer und die Aktie hat sich auch wieder erholt. Es sieht ganz so aus, als hätten die Italiener ihre Kritiker wieder einmal Lügen gestraft.

Ferrari Luce: Die Fakten

• Vorstellung: 25. Mai 2026, Vela di Calatrava, Rom

• Antrieb: vier Elektromotoren, 772 kW (1.050 PS)

• 0 bis 100 km/h: 2,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 310 km/h

• Batterie: 122 kWh, 800-Volt-Architektur, Reichweite rund 530 km (WLTP)

• Maße: 5.026 mm lang, Leergewicht 2.260 kg, vier Türen, fünf Sitze

• Design: LoveFrom (Jony Ive, Marc Newson) mit dem Ferrari Design Studio

• Produktion: Maranello

• Preis: ab 550.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer

• Auslieferung in Deutschland: ab dem vierten Quartal 2026

Häufige Fragen zum Ferrari Luce

Was kostet der Ferrari Luce?

Der Ferrari Luce kostet in Deutschland ab 550.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Individualisierungen über das Tailor-Made-Programm kommen hinzu.

Wer hat den Ferrari Luce gestaltet?

Das Design stammt von LoveFrom, dem Studio von Jony Ive und Marc Newson, in Zusammenarbeit mit dem Ferrari Design Studio.

Wie stark ist der Ferrari Luce?

Vier Elektromotoren leisten zusammen 772 kW, also 1.050 PS. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Wagen in 2,5 Sekunden.

Wann wird der Ferrari Luce ausgeliefert?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz beginnen die Auslieferungen im vierten Quartal 2026.

Ersetzt der Luce die Verbrenner von Ferrari?

Nein. Ferrari führt den Luce als zusätzliches Modell neben Verbrenner- und Hybridmodellen.

Axel Kmonitzek

Axel Kmonitzek

Axel vereint die Ausbildung an der Hamburg Media School mit der Passion für das Handwerk. Über eine Dekade hat er Uhren-Unikate gefertigt und prägt heute als Editor von Tweed den Blick auf Manufakturen, Autos, Reisen und die Menschen dahinter.

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