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Turnbull & Asser: Das Hemd, mit dem James Bond anfing

In einem Geschäft an der Londoner Bury Street hängt ein hellblaues Baumwollhemd, das seit 1962 ununterbrochen verkauft wird. Es ist das Hemd aus „Dr. No”, und auch König Charles lässt hier seine Hemden schneidern. Ein Besuch bei Turnbull & Asser.

Turnbull & Asser: Das Hemd, mit dem James Bond anfing
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Man kann ein Hemd nicht berühmt machen. Man kann es höchstens jemandem anziehen, der es wird. Bei Turnbull & Asser ist beides passiert, an derselben Adresse, an der ich gerade stehe: an einem Tresen ein paar Schritte abseits der Jermyn Street, dort, wo die Maßabteilung seit jeher ihren eigenen Eingang an der Bury Street hat.

Links die “two-button turnback” und rechts die “3-Button Signatur-Manschette”

Das Hemd hängt griffbereit: hellblau, schlichte Webung, dazu eine Manschette, die man anderswo kaum findet. Zwei Knöpfe, kein Schlitz für Manschettenknöpfe, der Stoff einmal nach außen umgeschlagen. Die Engländer nennen sie „two-button turnback”, der Rest der Welt sagt wohl Cocktailmanschette. Im Kino kennt man sie als die Manschette von James Bond.

Das bespoke Atelier von T&A

Eine Manschette mit ungeklärter Herkunft

1962, „Dr. No”, der erste Bond-Film. Sean Connery trägt darin ein hellblaues Hemd mit eben dieser Manschette. Verantwortlich dafür war weniger ein Kostümbildner als der Regisseur selbst. Terence Young kleidete seinen Hauptdarsteller so, wie er sich selbst kleidete: Er schickte Connery zu seinem eigenen Schneider Anthony Sinclair und zu seinem eigenen Hemdenmacher, Turnbull & Asser. Young trug die umgeschlagene Manschette privat. Connery trug sie fortan im Film.

Wer die Manschette erfunden hat, lässt sich nicht sauber klären – was die Sache eher interessanter macht. Turnbull & Asser reklamiert die Urheberschaft für sich. Der Londoner Hemdenmacher Frank Foster tat dasselbe und soll für „Dr. No” tatsächlich einen Teil von Connerys Hemden genäht haben, ebenso Turnbull & Asser. Andere Spuren führen weiter zurück, in eine Zeit lange vor Bond. Sicher ist nur das Ergebnis: Ein Detail, das niemand zweifelsfrei für sich beanspruchen kann, wurde zum meistkopierten Kleidungsstück der Filmreihe.

Das Hemd selbst ist nie aus dem Sortiment verschwunden. 2020 hat das Haus die Linie überarbeitet und die Manschette näher an die Originalform von 1962 gerückt: runder geschnitten, weniger kantig als die Version, die jahrzehntelang im Regal lag. Verkauft wird es in Blau und in Weiß, und es gehört noch immer zu den meistgefragten Stücken des Hauses. Ein Hemd, das älter ist als die meisten Kunden, die danach fragen.

Wofür das Haus eigentlich steht

Turnbull & Asser ist ein Hemdenmacher, nach Maß und von der Stange. Daneben gibt es Krawatten in vielfachen ausführungen, von Hand genäht aus Stoffen, die exklusiv für das Haus gewebt und bedruckt werden. Dazu Anzüge, Mäntel, die typischen Bausteine einer Herrengarderobe.

Wer ein Hemd sucht, das nicht auffällt, ist hier eigentlich falsch. Turnbull & Asser arbeitet mit Streifen, kräftigen, oft mehrfarbigen, und mit Mustern, die ein Besucher vom Kontinent zunächst für gewagt hält. Das hat einen historischen Grund. In der britischen Stadtkleidung war der Anzug über Generationen dunkel und zurückhaltend; Farbe war nur an einer Stelle erlaubt: beim Hemd, das größtenteils unter Weste und Jackett verschwand. Was niemand sah, durfte gemustert sein. Aus dieser Logik ist ein Stil entstanden, den die Briten „flamboyant” nennen und der das Haus bis heute prägt. Selbstverständlich rümpft niemand die Nase, wenn man sich doch eher für ein klassisch weißes Hemd entscheidet.

Zwei Gründer, ein Handschuhgeschäft

Angefangen hat alles 1885, als John Arthur Turnbull und Ernest Asser in London ein Geschäft eröffneten, zunächst nicht als Hemdenmacher, sondern als Strumpf- und Handschuhhändler. Handschuhe waren damals ein ernstzunehmendes Accessoire, und in London gab es Hunderte vergleichbarer Läden. Geblieben sind die wenigsten. Turnbull & Asser hat sich mit Qualität und Service nach oben gearbeitet und ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts an der Ecke von Jermyn Street und Bury Street ansässig. Aus der Straße wurde im Lauf der Jahrzehnte die Hemdenstraße Londons; aus dem Handschuhladen ein Haus, das gerade 140 Jahre alt wurde.

Der Kunde, über den nicht gesprochen wird

Es gibt einen Kunden, dessen Namen man kennt, ohne dass im Geschäft je darüber geredet würde. König Charles lässt hier seine Hemden nähen, seit 1980, damals noch als Prince of Wales. Begegnen wird man ihm nicht. Bedient wird der König im Palast, in der Regel früh am Morgen, lange vor Ladenöffnung. Bekannt ist die Verbindung überhaupt nur durch den Royal Warrant, jene Auszeichnung, die einen Hoflieferanten ausweist und zwar nicht das Haus als Ganzes, sondern einen einzelnen Mitarbeiter, damals a Paul Cuss. Über alles Weitere wird geschwiegen, und genau diese Diskretion gehört zum Produkt.

Axel Kmonitzek

Axel Kmonitzek

Axel vereint die Ausbildung an der Hamburg Media School mit der Passion für das Handwerk. Über eine Dekade hat er Uhren-Unikate gefertigt und prägt heute als Editor von Tweed den Blick auf Manufakturen, Autos, Reisen und die Menschen dahinter.

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