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The Florentin in Frankfurt - Grand Opening

The Florentin Frankfurt: Hot List 2026, It List 2026, Best New Opening 2026. Frank Marrenbach und Boris Messmer über Qualität, Haltung und eine Olive.

The Florentin in Frankfurt - Grand Opening
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Kurz nach vier, der Innenhof noch leer. Boris Messmer, General Manager des Hauses, probt noch einmal seine Rede. Ich kenne ihn seit der Schulzeit und sehe beides: Stolz, die Freude auf den Abend und den Wunsch, dass alles möglichst bald vorbei sein möge. Gefühlt sieht ihm niemand dabei zu, außer mir und den Elevator Boys auf dem Balkon gegenüber.

Die Elevator Boys bei der Arbeit

Schon in den ersten Monaten ist das Haus dreimal international ausgezeichnet worden: Condé Nast Traveller hat The Florentin Frankfurt auf seine Hot List 2026 gesetzt, Travel + Leisure auf die It List 2026, der Falstaff Hotel Guide hat es zum „Best New Opening“ 2026 erklärt.

Dann beginnt der Abend. Iris Berben kommt, Christine Lagarde, Till Brönner, Marcel Reif. Sebastian Koch führt durch die Veranstaltung. Marrenbach und Messmer halten ihre Reden, das Pflichtprogramm jeder Eröffnung: Dank an den Eigentümer Thomas Althoff, Bekenntnis zur Stadt. Die King Kamehameha Club Band spielt im Innenhof, Sternekoch Niclas Nußbaumer und Cornelia Fischer schicken Gänge auf die Stationen, keine Standard-Häppchen, eher ein Vorgeschmack auf das Haus, das sich der Welt gerade öffnet.

Mitten im Abend dann ein unerwartetes Bild: Einer der Flying Steps springt mit einem Salto zwischen die Fassaden des Innenhofs, hängt für einen Augenblick in der Luft, und dreihundert Köpfe drehen sich gleichzeitig nach oben.

Eine opulente Eröffnung also, mit einer Gästeliste, wie sie in Frankfurt selten in einem Raum zusammenkommt. Beeindruckend war an diesem Abend aber etwas anderes. Drei Männer stehen für dieses Haus, ohne sich davor zu stellen. Thomas Althoff, der die Gruppe 1984 in Köln gegründet hat. Frank Marrenbach, der sie heute führt. Boris Messmer, der The Florentin täglich am Laufen hält. Wer das Florentin verstehen will, muss bei diesen dreien anfangen. Und bei einer Olive.

Wir sitzen am Nachmittag vor der Eröffnung in einem der Salons. Frank Marrenbach, CEO der Althoff Hotels, erzählt; Boris lehnt sich leicht nach vorn, wie jemand, der weiß, was als Nächstes kommt. Es ist die Geschichte mit der Olive.

„Boris ist wirklich im Detail“, sagt Marrenbach. „So im Detail, dass ich über Wochen keine Olive bekam in der Bar, weil sie nicht gut genug war. Irgendwann habe ich gesagt: Komm, es muss doch die Olive auf dem Planeten geben, die wir servieren können.“

Es gibt sie. Heute liegt sie, mit Kern, in der Bar des The Florentin. Boris Messmer hat in Südfrankreich gelebt; er hält Oliven ohne Kern für eine nördliche Verlegenheit. „Wenn man in Südfrankreich gelebt hat, ist man andere Qualitäten gewohnt“, sagt er. „Man ist verwöhnt. Und das denkt man gar nicht so, Europa, Globalisierung. Aber es gibt Produkte, die werden in gewissen Märkten zurückgehalten.“

Es liegt etwas Loriothaftes in dieser Szene, und das nicht nur, weil Marrenbach mit Brille, ruhiger Stimme und einem leichten Hang zur Sentenz einer der kultivierten Herren aus den Loriot-Filmen sein könnte. Bei Loriot wäre die Olive die berühmte Nudel im Gesicht des Gegenübers: jenes Detail, das zwischen zwei wohlerzogenen Tischnachbarn so lange unausgesprochen bleibt, bis das Schweigen zur Komik wird. Hier ist es umgekehrt: Eine Diskussion über eine Olive, ein irrelevant erscheinendes Detail, hat bei einem Projekt dieser Größenordnung unweigerlich eine gewisse Komik. Man möchte sich nicht ausmalen, wie die Diskussionen mit den Gewerken beim Bau abgelaufen sind.

Das beschreibt symbolisch die Einstellung der Führung, und es hat mit Hotellerie nur am Rande zu tun. Wir leben in einer Zeit, die Geschwindigkeit mit Fortschritt verwechselt; die annimmt, alles sei verfügbar, weil es bestellbar ist. In einer solchen Zeit ist die Olive ein politischer Gegenstand. Sie ist die stille Behauptung, dass die Frage „Welche genau?“ wieder gestellt werden darf. Gleiches gilt für die voreingestellten 38 Grad der Duschen, die Marrenbach wichtig sind und vermutlich niemandem aufgefallen sind.

Marrenbach erklärt das Haus mit dem Bild eines Schiffs. „Du siehst nur einen Teil. Hinter den Kulissen ist heute so viel an Technik verbaut, dass es am Anfang darum geht, sich mit dem Haus vertraut zu machen. Und dann zu gucken, dass die Gäste möglichst wenig von den Imperfektionen sehen. Das ist die Kunst.“ Der Gast soll nicht sehen, was es kostet, dass alles funktioniert. Er soll nur das Funktionieren sehen.

Achtzehn Hotels hat Marrenbach eröffnet. Er hat vorhin beim Cappuccino noch einmal nachgezählt. „Ich habe immer dasselbe Gefühl: eine Mordsanspannung. Es ist jedes Mal eine Premiere, und du musst jedes Mal alles geben.“ Anders gesagt: Qualität ist kein Zustand, den man erreicht. Qualität ist die Spannung, sie nicht zu verlieren. „Im Prinzip“, sagt Marrenbach, „bist du nur so gut wie die Leistung von heute.“

Messmer erzählt dieselbe Geschichte aus einem anderen Blickwinkel. „Viele machen sich keine Gedanken, wie das ist, wenn man ein Hotel neu aufbaut. Das ist nicht wie eine Firma, die langsam wächst. Sondern auf einmal ist da ein Konstrukt, in dem hundertfünfzig Menschen zusammenarbeiten müssen.“ Er hat es erlebt, als er das Vier Jahreszeiten in Hamburg verließ, „eine gut geölte Maschine“, und ins Savoy nach London ging, das gerade wiedereröffnet wurde. Sechshundertfünfzig Angestellte. „Eine komplette Katastrophe“, sagt er und lacht kurz.

„Wenn verschiedene Menschen zusammenarbeiten, kann das am ersten Tag nicht ineinandergreifen. Man muss erst finden, dass sie wie Zahnräder ineinandergreifen. Wo steht das Glas? Wo finde ich die Serviette? Wo stelle ich es vom Tisch zurück? Diese Mechanismen kann man nicht einfach anschalten. In einer Industrie, die mit Menschen arbeitet, müssen sich die Menschen selbst erst finden.“

„Sie werden bei uns selten beobachten“, sagt Marrenbach, „dass wir mit vielen Superlativen sprechen. Weil, was willst du sagen? Das Tollste, das Beste. Es kommt darauf an, wen du fragst. Wir wollen einfach relevant sein.“

Relevant. Nicht spektakulär, nicht einzigartig, nicht best-in-class. Relevant. Wer relevant sein will, muss den anderen kennen. Wer das Beste sein will, muss nur lauter rufen.

Marrenbachs größtes Kompliment wäre ein anderes: dass die Frankfurter irgendwann „unser Florentin“ sagten. Das ist die Linie, auf der The Florentin Frankfurt geführt wird. Nicht als internationales Aushängeschild, sondern als Ort, den die Stadt sich aneignet. Als Wohnzimmer, als Bühne für eigene Anlässe. Eine ungewöhnliche Reihenfolge in einer Branche, die ihre Häuser sonst lieber den Reisenden widmet als den Anwohnern. Wenn die Frankfurter es zu ihrem Haus erklären, kommen die anderen ohnehin.

Gute gelaunt zu später Stunde: Boris Messmer (GM The Florentin, Ben Dahlhaus (Schauspieler), Sebastian Koch (Schauspieler), Ires Berben (Schauspielerin), Jacob Rott (Model / Elevator Boys), Axel Kmonitzek (TWEED)

Am nächsten Morgen, unrasiert beim Frühstück. Messmer steht bereits am Ausgang des Hauses, geschniegelt und gestriegelt, das blühende Leben, obwohl er länger gemacht hat als ich. Darauf angesprochen, sagt er nur: „Was meinst du denn, das ist mein Job.“ Wir verabschieden uns kurz, dann läuft er schon wieder durch die Halle.

Es gibt Menschen, die ihr Leben damit verbringen, dass die Dinge stimmen. Und dass die Welt um sie herum, ohne es zu bemerken, ein wenig genauer wird. Bis hin zur Olive.

Axel Kmonitzek

Axel Kmonitzek

Axel vereint die Ausbildung an der Hamburg Media School mit der Passion für das Handwerk. Über eine Dekade hat er Uhren-Unikate gefertigt und prägt heute als Editor von Tweed den Blick auf Manufakturen, Autos, Reisen und die Menschen dahinter.

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