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Caltabellotta, wer hier bleibt, wird alt

Sizilien, Südwestküste. Auf dem einstigen Stammland der Herzöge von Verdura steht heute das Verdura Resort der Rocco Forte Gruppe. Eine halbe Stunde im Hinterland: das Dorf, das die Wissenschaft 2025 auf Rang sechs der weltweiten Langlebigkeit gesetzt hat.

Caltabellotta, wer hier bleibt, wird alt
Sonnenuntergang im Verdura Resort der Rocco Forte Gruppe
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In einer Werkstatt an der Hauptstraße von Caltabellotta sitzt ein älterer Herr und erzählt. Er spricht Italienisch, der Übersetzer kommt mit Mühe nach.
Salvatore Rizzuti, Ende sechzig; im Dorf sagen sie Totò. Sein Vater hatte Schafe; er hütete sie, bis er achtzehn war. Dann ging er nach Palermo, holte den Schulabschluss nach, studierte an der Accademia di Belle Arti und lehrte dort fünfunddreißig Jahre Bildhauerei. Der Schriftsteller Leonardo Sciascia schrieb über ihn: Il genio della scultura arride alle sue cose.

Salvatore Rizzuti in seinem Atelier

Heute schenkt er dem Dorf seine Werke; sie stehen drei Gassen weiter, im Civic Museum.

Eines seiner Kunstwerke. Sizilien wird von Rom vergewaltigt und die Kirche schaut zu.

Caltabellotta hat knapp dreitausend Einwohner. Eine Studie der Gerontologen Gianni Pes und Calogero Caruso klassifizierte den Ort im Juli 2025 im Journal of Aging and Longevity als Emerging Blue Zone: Einer von 166 hier Geborenen erreicht das hundertste Lebensjahr, ein Wert nahe an Sardinien.

Rizzuti lächelt, als das Gespräch darauf kommt. Statistik sei eine Sache, gibt der Übersetzer wieder, Caltabellotta eine andere.

Zweiundzwanzig Kilometer Serpentinen führen ins Tal. Das Land, auf dem das Verdura Resort steht, gehörte einst den Herzögen gleichen Namens; mit Fulco di Verdura, Schmuckdesigner Coco Chanels und Vetter Lampedusas, starb das Geschlecht 1978 aus. Sir Rocco Forte hat es in den frühen Zweitausendern von siebzig Eigentümern zurückgekauft. Heute verteilen sich 203 Zimmer auf 230 Hektar in zwei Steinriegeln aus Beton, Terrakotta und Sand, errichtet vom Venezianer Flavio Albanese; die Innengestaltung von Olga Polizzi, auf jedem Nachttisch eine Ausgabe des „Leoparden”. Wer den eigentlichen Luxus sucht, geht hinauf: Oberhalb der Hotelriegel liegen zwanzig Privatvillen, jede mit eigenem Pool, eigenem Garten, eigenem Buggy.

Das Clubhaus zwischen den beiden Golfplätzen, im Sommer 2025 von Paolo Moschino und Philip Vergeylen eröffnet, sieht aus wie das Set eines amerikanischen College-Films: dunkles Eichenholz, Mosaikböden, tiefgrüne Lederfauteuils. Für vier Stunden auf dem Fairway hatte ich keine Zeit; ein Marsala am achtzehnten Loch hingegen schon.

Irene Forte, Sir Roccos Tochter, ist Ehrenbürgerin von Caltabellotta. In der normannischen Kathedrale hat sie geheiratet; Gianna Nannini sang. Das Irene-Forte-Spa bietet seit Sommer ein Longevity Programme – Bluttest, Sensitivitätsanalyse, Mahlzeiten Fulvio Pierangelinis nach dem Vorbild dessen, was die Hundertjährigen oben essen.

Sciascia schrieb, das Genie der Skulptur lächle seinen Werken zu. Es lächelt nur dort, wo jemand bleibt. Verdura ist gebaut, Caltabellotta gewachsen. Das eine ist ein außerordentlich gut gemachter Ort, das andere ein außerordentlicher.

Axel Kmonitzek

Axel Kmonitzek

Axel vereint die Ausbildung an der Hamburg Media School mit der Passion für das Handwerk. Über eine Dekade hat er Uhren-Unikate gefertigt und prägt heute als Editor von Tweed den Blick auf Manufakturen, Autos, Reisen und die Menschen dahinter.

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