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Richard Hyde und Small Luxury Hotels of the World: Warum Luxus weniger ist

Die meisten Menschen glauben, Luxus bedeute stets „mehr”. Richard Hyde hat sein Berufsleben damit verbracht, das Gegenteil zu beweisen.

Richard Hyde und Small Luxury Hotels of the World: Warum Luxus weniger ist
Blick in den Pool vom Dunas auf Formentera

Der Mann am Swimmingpool trägt eine Sonnenbrille, die nicht vor der Sonne schützt. Er sitzt so, dass er gesehen werden kann, ohne hinschauen zu müssen. Neben ihm ein Champagnerkübel. Man kennt ihn wohl aus einer amerikanischen Fernsehserie über Immobilien und Geld. Er gehört hierher, ins Nobu Hotel Ibiza Bay in der Talamanca-Bucht. Mit 152 Zimmern, dem Restaurant von Nobu Matsuhisa und dem saisonalen BiBo des Andalusiers Dani García, der drei Michelin-Sterne hatte und sie 2019 zurückgab, weil er genug davon hatte. Das Nobu ist ein exzellentes Hotel. Es entspricht dem, was man von Ibiza erwartet, und das meine ich weder positiv noch negativ.

Abseits des Massentourismus

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Richard Hyde ist der Grund für meine Reise auf die Balearen. Er hat nie geplant, in Hotels zu arbeiten. Wuchs in England auf, verkaufte in Manchester Elektronik, wollte zurück nach London. Eine Stelle bei Ramada tauchte auf. Er nahm sie. Dann InterContinental, Conrad Hilton, The Maybourne Group. 2007 kam Hyde schließlich als Berater zu Small Luxury Hotels of the World. Und blieb.

Heute ist Hyde COO von SLH, und wenn man ihn nach Luxus fragt, antwortet er mit einer Anekdote aus Prag. Er stand im Zimmer eines Hyatt-Hotels, wollte das Licht ausmachen – und verbrachte zwanzig Minuten damit, ein Multifunktions-Panel zu enträtseln.

„Ein altmodischer Schalter hat manchmal etwas Beruhigendes“, sagt er. „Ein 50 Jahre alter Zimmerschlüssel in einem Familienhotel – das ist auch Teil des Erlebnisses.“

Hinter der Anekdote steckt eine Überzeugung, der er sein Berufsleben gewidmet hat.

„Luxus ist für mich die Rückbesinnung auf Wesentliches.“

Wir leben in einer Zeit, in der jedes Hotel der Welt in Sekunden buchbar ist, jede Ausstattung verglichen, jede Bewertung gelesen werden kann. Das Problem ist nicht die Auswahl. Das Problem ist, dass sich in dieser Auswahl fast alles gleich anfühlt. Hyde hat sein Berufsleben damit verbracht, das Gegenteil zu suchen: Eigentümer, die nachts aufstehen, weil in einem Zimmer die Klimaanlage ausgefallen ist. Direktoren, die Namen kennen – nicht, weil es das Schulungshandbuch verlangt, sondern weil es ihnen eben nicht gleichgültig ist. Sein persönliches Lieblingshaus im Portfolio ist das Byblos Art Hotel bei Verona – ein Anwesen, dessen Besitzer Kunsthändler ist und Werke von Damien Hirst in die Zimmer gehängt hat, jedes anders. „Das erfüllt viele Kriterien“, sagt er.

SLH entstand 1990, gegründet von vierzig Hotels, die allein nicht überleben konnten, und ging bald pleite. Eine neue Gruppe übernahm, überstand 9/11, Lehman Brothers, SARS, eine Pandemie. Heute über 620 Mitglieder, eine Partnerschaft mit Hilton Honors und seinen 220 Millionen Mitgliedern – nicht um Teil des Systems zu werden, sondern um die Reichweite zu nutzen, die kleine Häuser allein nie aufbauen könnten. Was sie dafür bekommen: Sichtbarkeit. Was sie behalten: alles andere. Aus 2.000 Bewerbungen im Jahr werden etwa 50 neue Häuser aufgenommen, jedes jährlich von anonymen Inspektoren bewertet – Piloten, Richter, ein pensionierter US-General. Weniger als 85 Prozent der Punkte: nicht bestanden. Zweimal: raus.

„Es verblüfft bisweilen, wie schnell es mit einem Hotel bergab gehen kann“, so Hyde.

Eine versäumte Renovierung. Kein Direktor für eine Saison. Die Vorgaben sind strikt, aber zum Wohle aller.

Dreißig Minuten Fähre

Dreißig Minuten Fähre, und Ibiza ist fort. Formentera hat keinen Flughafen, keine Clubs. Türkisfarbenes Wasser. Am Playa Migjorn stehen drei SLH-Häuser, die kaum verschiedener sein könnten – und die dennoch alle dieselbe Botschaft vermitteln.
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Das Gecko Beach House: 30 Zimmer, kobaltblau, Architekt Antonio Obrador. Stammgäste, die sich untereinander kennen. Personal, das Namen weiß, weil man sich in dreißig Zimmern schlicht merkt, wer jeden Morgen zum Frühstück kommt. Mittwochs und freitags Meeresfrüchte am offenen Feuer. Kein Plastik seit Jahren, aus Überzeugung.

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Das Dunas de Formentera, seit Sommer 2024, ist stiller. 45 Zimmer in flachen Gebäuden, die durch die Dünen ziehen wie etwas, das immer schon da war. Sand, Terracotta, Jute. Der Infinity Pool läuft auf Salzwasser aus den umliegenden Salinen.

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Dann das Teranka. 35 Zimmer zwischen Pinienwäldern, alte Olivenbäume überall. Im Garden Restaurant stehen lange Tische auf Sand direkt unter diesen Bäumen – bei einem ist der Stamm so nah an das Holz des Tisches gewachsen, dass beide aufgehört haben, verschiedene Dinge zu sein. Abends Lichter im Geäst.

Was am Teranka anders ist, lässt sich nur schwer benennen. Das Personal fragt nicht, ob alles in Ordnung ist. Es schaut, ob alles in Ordnung ist. Das ist nicht dasselbe. Es ist genau der Unterschied, den kein Buchungsportal abbildet, kein Sternekatalog bewertet, kein Kettenhotel der Welt kaufen kann. Er entsteht nur dort, wo jemand das Hotel persönlich meint.

Dass ein solch familiäres Resort und das Nobu Ibiza Bay denselben Eigentümern gehören – den Shamoons, deren Patriarch mit Robert De Niro befreundet ist –, glaubt man nicht, wenn man beide Orte kennt. Aber das ist vielleicht der präziseste Beweis für das, was Hyde meint. SLH formt Häuser nicht nach einem Bild. Es findet Häuser, die bereits eines haben. Die Unabhängigkeit ist nicht die Folge der Mitgliedschaft. Sie ist deren einzige Bedingung.

Gegen Ende unseres Gesprächs frage ich Hyde, ob er in Hotels jemals wirklich abschalten kann. Er überlegt länger als bei anderen Fragen. Dann lacht er kurz, ohne dass es nach einer Antwort klingt.

Abends sitze ich im Teranka Garden, an dem Tisch, der längst zum Baum gehört. Niemand fotografiert sein Essen. Ich denke an den Mann mit der Sonnenbrille in Talamanca. Dreißig Minuten können sehr weit sein.

Häufige Fragen

Wer ist Richard Hyde?

Richard Hyde ist COO von Small Luxury Hotels of the World. Er wuchs in England auf, verkaufte zunächst in Manchester Elektronik und arbeitete danach bei Ramada, InterContinental, Conrad Hilton und The Maybourne Group. 2007 kam er als Berater zu SLH und blieb.

Was ist Small Luxury Hotels of the World?

SLH wurde 1990 von vierzig Hotels gegründet, die allein nicht überleben konnten. Heute zählt die Gruppe über 620 Mitglieder und unterhält eine Partnerschaft mit Hilton Honors und dessen 220 Millionen Mitgliedern – nicht um Teil des Systems zu werden, sondern um eine Reichweite zu nutzen, die kleine Häuser allein nie aufbauen könnten.

Wie wird ein Hotel bei SLH aufgenommen?

Aus rund 2.000 Bewerbungen im Jahr werden etwa 50 neue Häuser aufgenommen. Jedes wird jährlich von anonymen Inspektoren bewertet – darunter Piloten, Richter und ein pensionierter US-General. Wer weniger als 85 Prozent der Punkte erreicht, besteht nicht; zweimal nicht bestanden bedeutet den Ausschluss.

Welche SLH-Häuser gibt es auf Formentera?

Am Playa Migjorn stehen drei: das Gecko Beach House mit 30 Zimmern, das Dunas de Formentera mit 45 Zimmern (seit Sommer 2024) und das Teranka mit 35 Zimmern zwischen Pinienwäldern und Olivenbäumen.

Axel Kmonitzek

Axel Kmonitzek

Axel vereint die Ausbildung an der Hamburg Media School mit der Passion für das Handwerk. Über eine Dekade hat er Uhren-Unikate gefertigt und prägt heute als Editor von Tweed den Blick auf Manufakturen, Autos, Reisen und die Menschen dahinter.

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Tags: PEOPLE TRAVEL

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