Wer in einer fremden Stadt abends loszieht, um „irgendwo japanisch” zu essen, kennt das mulmige Gefühl vor der Tür. Von außen sieht es gut aus. Aber ist es echt oder nur Lampion und Lachs?
Für diesen Moment gibt es Washoku Guide, eine Website, die zunächst wie ein typisches Verzeichnis wirkt: Sie hat für einen schon nachgeschaut. Und zwar gründlich.
Das Eigensinnige daran ist, dass sie einem gar nicht verrät, ob das Essen schmeckt. Das interessiert hier nicht. Keine Sterne, keine Punkte, kein Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine einzige Frage hat sich jemand bei jedem Lokal gestellt: Ist es echt?
Über hunderttausend Quellen gelesen, zweiundzwanzigtausend Restaurants angeschaut, am Ende nur wenige behalten. Derzeit 1.878 Adressen in 51 Städten, Hamburg, Paris, Hongkong, San Antonio. Jede Stadt für sich recherchiert, in japanischer Sprache, mit Leuten vor Ort.

Die Regel, nach der hier sortiert wird, ist denkbar schlicht. Entweder gehört das Lokal Menschen aus Japan, oder ein japanischer Koch steht am Herd. Gutes Handwerk allein genügt nicht, die saubere Edomae-Technik, die Holzkohle unterm Spieß zählen erst, wenn einer der beiden zutrifft.

Großartiges japanisches Essen, schreibt sie, komme von Köchen aller Herkunft, und manche der besten Häuser der Welt würden von Nicht-Japanern geführt. So ein Lokal könne hier durchfallen und trotzdem wunderbar sein. Sie sucht eben nicht das beste Restaurant. Sie sucht das echte.
Nichts steht für immer fest. Wechselt der Koch, lässt die Küche nach, fliegt der Eintrag wieder raus.
Unten auf jeder Seite stehen vier japanische Zeichen, fast wie eine Unterschrift: 本物を、世界で — das Echte, in aller Welt. In einer Zeit, in der „japanisch” alles bedeuten kann, vom Förderband bis zur Frischkäse-Rolle, führt man hier Buch über das, was authentisch ist.