Die Wasserglanzpolitur gilt unter Kennern als die Königsdisziplin des Schuheputzens und wird häufig bei Schuhpflegeseminaren gelehrt. Der Name sagt schon, worum es geht. Der Schuh wird mit Hilfe von Wasser auf Paradeglanz gebracht. Das Wasser allein tut es aber nicht, man braucht dazu auch eine Terpentinwachspaste, einen weichen Baumwolllappen sowie ein Schälchen mit Wasser. Eine normale Wachspaste, wie sie üblicherweise in Schuhgeschäften und Drogeriemärkten angeboten wird, funktioniert nicht. Man bekommt Terpentinwachspasten bei Schuhhändlern, die Rahmengenähte führen oder natürlich im Internet.
Die Wachspaste wird zunächst dünn auf das ganze Oberleder mit dem Lappen aufgetragen. Dieser Ratschlag wird selten befolgt, die meisten verwenden die Paste zu großzügig. Das ist aber nicht richtig. Zu viel Wachspaste verstopft auf Dauer die Poren des Leders und es dauert nachher auch länger, den Glanz herauszukitzeln. An die Stellen des Schuhs, die mit dem Lappen nicht erreichbar sind, wird die Wachspaste wieder mit kleinen Bürsten gebracht. Eine Zahnbürste tut es übrigens auch. Dann stippt man den Lappen an der mit Paste gesättigten Stelle in das Wasser und beginnt auf dem Leder mit kreisenden Polierbewegungen. Zunächst verschmiert sich die Paste dadurch, dann bildet sich aber relativ schnell eine Glanzschicht auf dem Leder. Nun wieder einstippen und weiterpolieren. Da sich das Wasser und das Wachs in der Paste abstoßen, wird beim Polieren die Paste nicht wieder vom Leder gewischt, so entsteht der Glanz.


Einige Schuhpflegefreunde ziehen es vor, wenn nur die Zehenkappe und die Fersenkappe extrem glänzen. Sie sparen die anderen Partien des Oberleders bewusst aus. Andere schätzen den Rundumglanz. Je öfter der Schuh mit Wachspaste und Wasser gepflegt wird, desto schneller kommt man zum Ergebnis. Mit der Zeit baut sich eine Wachsschicht auf dem Leder auf, die dann immer schneller auf Glanz gebracht werden kann. Kritiker behaupten, dass das Leder durch die Wasserglanzpolitur beschädigt wird. Tatsächlich werden manchmal an beanspruchten Stellen feine Risse sichtbar, die an das Craquelé auf Porzellan erinnert. Diese Risse sind beim wasserpolierten Schuh aber kein Schaden, sie durchziehen lediglich die Wachsschicht. Tatsächlich kann die Wasserglanzpolitur das Leder schädigen, um dem vorzubeugen, enthalten gute Terpentinwachspasten pflegende Substanzen wie z. B. Bienenwachs.

Wesentlich schneller geht es bei Rauleder. Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil ist es nämlich sehr pflegeleicht. Das zeitaufwändige Polieren entfällt, anhaftender Schmutz wird mit speziellen Bürsten entfernt, mehr ist nicht zu tun. In der nassen Jahreszeit sollte man das Leder lediglich ab und zu mit Imprägnierspray einnebeln. Speckige Stellen oder Flecken werden mit Lederradierern aufgeraut oder entfernt. Wenn der Raulederschuh nach mehreren Jahren stark eingestaubt ist, darf man ihm auch mal ein Vollbad verpassen. Dies ist wörtlich zu verstehen, der Schuh wird komplett unter den Wasserhahn gehalten oder in eine Wanne getaucht. Wichtig ist dabei, dass er wirklich komplett nass wird, damit beim Trocknen keine Ränder entstehen. Beim Wässern sollte das Leder vorsichtig mit einer weichen Bürsten oder einem Schwamm abgerieben werden. Dann das Wasser abtropfen lassen und den Schuh stramm mit Zeitungspapier ausstopfen. Am schnellsten trocknet er an einem gut belüfteten, nicht zu kalten Ort. Das Zeitungspapier muss ausgetauscht werden, sobald es sich vollgesogen hat.
