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Rolex Perpetual Padellone: Comeback der großen Pfanne

Rolex belebt die Referenz 8171 wieder: 39 mm, Jahreskalender Haplos, Mondphase aus Meteorit, Kaliber 7190 mit 5 Hz. Alle Fakten zur Perpetual Padellone.

Rolex Perpetual Padellone: Comeback der großen Pfanne
Rolex Perpetual Padellone 2026 in Everose-Gold am Lederband mit weißem Zifferblatt, Jahreskalender und Mondphase bei 6 Uhr

Padellone lautet der Name, auf den neugierige Spürhunde beim Durchsuchen des Internets nach neuen, von Rolex angemeldeten Schutzrechten stießen. Zu Deutsch heißt das italienische Wort nichts anderes als große Pfanne. So und nicht anders tauften Sammler südlich der Alpen irgendwann die in den frühen 1950er-Jahren lancierte Referenz 8171 mit einfachem Vollkalender und Mondphasenanzeige.

Die Nutzung eines Spitznamens für ein neues Modell wäre bei Rolex früher absolut undenkbar gewesen. Aber unter dem aktuellen CEO Jean-Frédéric Dufour ist vieles anders als zuvor. Zum Terminus passt die Patentanmeldung für ein Kalenderschaltwerk mit Fensteranzeigen für Wochentag und Monat sowie zentralem Zeigerdatum. Für all jene, welche eins und eins zusammenzählen können, lag ein Comeback dieser astronomischen Ikone förmlich auf der Hand. Die Bezeichnung Padellone resultierte übrigens aus der Tatsache, dass diese Armbanduhr mit 38 Millimetern Durchmesser damals ausgesprochen opulent in Erscheinung trat. Das übliche Maß lag bei 33 oder 34 Millimetern. In diesem Sinne klingt große Pfanne zwar wenig ehrfürchtig, aber doch irgendwie folgerichtig.

Logischerweise machte Rolex um die Renaissance ein großes Geheimnis. Selbiges lüftete sich am 15. September 2026. Nur wenig verwundert in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass das Lancement in Mailand, der Hauptstadt des guten Geschmacks in Sachen Mode, über die Bühne ging. Mit 39 Millimetern Durchmesser besitzt die neue Rolex Perpetual Padellone heutzutage keine Gardemaße mehr. Obwohl der edle Zeitmesser viele gestalterische Merkmale des historischen Vorbilds übernimmt, ist er weit entfernt von einer bloßen Retro-Kopie. Rolex hat Vergangenes zum Vorbild genommen, ohne ihm jedoch sklavisch zu folgen. Im gekonnten Mix aus Bekanntem und Neuem liegt der Reiz dieses tickenden Newcomers.

Gehäuse und Zifferblatt

Das runde Gehäuse im Stil der Linie 1908 wirkt großzügig, aber nicht schwerfällig. Leicht geschwungene Bandanstöße und ein fein kannelierter, gewölbter Glasrand verleihen dem Genfer Opus klassische Eleganz. Zur Wahl stehen Everose-Gold mit Lederband oder siebenreihigem Settimo-Band sowie Platin am Lederband. Die Version aus dem silbrig glänzenden Edelmetall gibt sich sofort durch ihr eisblaues Zifferblatt zu erkennen. Fünf bar Wasserdichte sind im Rolex-Universum bescheiden, für eine Dresswatch aber hinreichend alltagstauglich.

Auf der tiefblauen, emaillierten Scheibe bei „6" ziehen zwei Himmelskörper aus Meteorit ihre Bahn, ein heller Vollmond und sein dunkler Gegenpart für den Neumond. 

Am deutlichsten zeigt das Zifferblatt die Verwandtschaft zur altehrwürdigen Referenz 8171. Wie gehabt erscheinen Wochentag und Monat in zwei Fenstern bei „12". Ein zentraler blauer Zeiger mit Mondsichelspitze weist auf die jeweilige Datumszahl am äußeren Rand. Bei „6" rotiert eine tiefblaue, emaillierte Mondscheibe. Trotz der Fülle an Informationen wirkt das Ganze ruhig und ausgewogen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der bleiche Erdtrabant. Anders als bei üblichen Mondphasenanzeigen bleibt das gesamte Firmament immer vollständig sichtbar. Darauf ziehen zwei Himmelskörper aus Meteorit ihre Bahn: ein heller Vollmond und sein dunkelblauer Gegenpart für den Neumond. Als charmante Verbeugung vor der historischen Padellone tragen beide aufgedruckte Gesichter. 360 Bogengrade legt die äußerst kunstvoll gearbeitete Scheibe in 29,53 Tagen zurück. Erst nach 122 Jahren weicht die Anzeige um einen Tag von der astronomischen Realität ab.

Haplos: der Kalender

Hinter dieser klassisch anmutenden Fassade agiert die bislang aufwändigste Mechanik aus eigener Rolex-Manufaktur. Besagte Referenz 8171 besaß ein einfaches Vollkalendarium. Am Ende eines jeden kurzen Monats mussten die Besitzer das Datum manuell korrigieren. Demgegenüber behält das aktuelle Modell die Monatslängen im Blick. Ihr Jahreskalender unterscheidet selbsttätig zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen. Nur Ende Februar heißt es, ganz kurz Hand anlegen.

Rolex nennt das neue Kalendersystem Haplos. Der Name leitet sich ab vom altgriechischen Wort für Einfachheit. Und das ist durchaus programmatisch gemeint. Die Uhr kann viel, ohne die Nutzer mit der dahinterstehenden Mechanik zu belasten. Am Ende von April, Juni, September und November überspringt der Datumszeiger den nicht vorhandenen 31. und landet direkt auf dem 1. des Folgemonats. Wochentag, Datum und bei Bedarf auch der Monat springen pünktlich um Mitternacht gleichzeitig weiter. Der gesamte Vorgang dauert nur Sekundenbruchteile. Tagsüber sammelt das komplexe Schaltwerk die benötigte Energie unmerklich ein, um sie mitternachts schlagartig freizusetzen.

Auch das Einstellen bleibt unkompliziert. Vier Drücker in den Gehäuseflanken erlauben das separate Korrigieren der Indikationen. Einen kritischen Zeitraum gibt es nicht: Ohne das Schaltwerk zu gefährden, lassen sich die Anzeigen zu jeder Tages- und Nachtzeit händisch verändern.

Das Kaliber 7190

Den Zeittakt gibt das Automatikkaliber 7190 vor. Es basiert auf dem 2025 in der Land-Dweller eingeführten Kaliber 7135. Seine Unruh oszilliert mit flotten fünf Hertz. Dank hocheffizienter Dynapulse-Hemmung beträgt die Gangautonomie rund 66 Stunden. Silizium und Hochleistungskeramik stehen für die aktuelle Rolex-Werkegeneration und tragen zu ihrer Magnetfeldresistenz bei.

Kaliber 7190: Die durchbrochene Schwungmasse aus massivem Gelbgold legt die Brücken mit Genfer Streifenschliff frei. Das Werk basiert auf dem 2025 in der Land-Dweller eingeführten Kaliber 7135 und arbeitet mit fünf Hertz.

Durch den Saphirglas-Sichtboden bleibt das Kaliber kein verborgenes Vergnügen. Eine durchbrochene Schwungmasse aus massivem Gelbgold gibt den Blick auf Brücken mit Genfer Streifenschliff frei. Bei klassischen Oyster-Modellen wäre so viel Offenheit lange undenkbar gewesen. In der Perpetual-Kollektion gehört sie inzwischen zum Konzept.

Die Zifferblattseite des Kalibers 7190: Hier sitzt das Schaltwerk, das Wochentag, Datum und Monat um Mitternacht in Sekundenbruchteilen gleichzeitig weiterspringen lässt.

Insgesamt begleiten 30 Patentanmeldungen den mechanischen Mikrokosmos, zwei davon ausschließlich die Padellone. Wichtiger ist jedoch, dass Rolex nach rund 75 Jahren zu einer fast vergessenen Spezies Armbanduhr zurückkehrt.

Mit der 1908 begann 2023 eine Modellfamilie jenseits der vertrauten Oyster-Welt. Die Perpetual Padellone beweist nun das Potenzial des auf Eleganz ausgelegten Standbeins.

Das historische Vorbild lieferte die Grammatik: rundes Gehäuse, zwei Kalenderfenster, Zeigerdatum und ein Mond mit Gesicht. Den dazu passenden neuen Satz formuliert Rolex mit einem intelligenten Jahreskalender, ungewöhnlicher Mondphase, ausgeklügelter Zeit-Mechanik und modernen Werkstoffen.

In diesem Sinne blickt die Perpetual Padellone zurück, ohne rückwärtsgewandt zu sein. Und sie demonstriert, dass eine komplexe Uhr nicht kompliziert im Umgang sein muss.


Fakten in Kürze

  • Modell: Rolex Perpetual Padellone, vorgestellt am 15. September 2026 in Mailand
  • Gehäuse: 39 mm, rund, Stil der Linie 1908, geschwungene Bandanstöße, kannelierter gewölbter Glasrand, Saphirglas-Sichtboden
  • Ausführungen: Everose-Gold am Lederband oder am siebenreihigen Settimo-Band; Platin am Lederband mit eisblauem Zifferblatt
  • Wasserdichtigkeit: 5 bar
  • Anzeigen: Wochentag und Monat in zwei Fenstern bei 12 Uhr, zentrales Zeigerdatum mit Mondsichelspitze, Mondphase bei 6 Uhr
  • Kalender: Jahreskalender, Systemname Haplos (von altgriechisch für Einfachheit); unterscheidet selbsttätig Monate mit 30 und 31 Tagen, Korrektur nur Ende Februar; simultaner Sprung aller Anzeigen um Mitternacht
  • Korrektur: vier Drücker in den Gehäuseflanken, kein kritischer Zeitraum, Einstellung rund um die Uhr möglich
  • Mondphase: vollständig sichtbares Firmament, Voll- und Neumond aus Meteorit mit aufgedruckten Gesichtern, Umlauf in 29,53 Tagen, Abweichung von einem Tag erst nach 122 Jahren
  • Werk: Automatikkaliber 7190, Basis Kaliber 7135 (2025, Land-Dweller), 5 Hz, Dynapulse-Hemmung, ca. 66 Stunden Gangreserve, Silizium und Hochleistungskeramik, durchbrochener Rotor aus massivem Gelbgold, Brücken mit Genfer Streifenschliff
  • Patente: 30 Anmeldungen insgesamt, davon zwei ausschließlich für die Padellone
  • Historisches Vorbild: Referenz 8171 „Padellone", frühe 1950er-Jahre, 38 mm, einfacher Vollkalender mit Mondphase; damals opulent gegenüber dem üblichen Maß von 33 bis 34 mm
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner

Gisbert Brunner gilt als einer der renommiertesten Uhren-Journalisten im deutschsprachigen Raum. Für TWEED schreibt er gelegentlich als Gastautor – über feine Mechanik, ihre Macher und die Geschichten dahinter.​​​​​​​​​​​​​​​​

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