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Lenz Moser: Der Visionär, der China neu verkostet

In der Welt des Weins gibt es Traditionalisten und Revolutionäre. Lenz Moser gehört klar zur zweiten Kategorie. Während die Weinindustrie auf die klassischen Terroirs blickt, wirkt der Österreicher in einem Land, das Kenner sonst bestenfalls mit Skepsis betrachten: China.

Lenz Moser: Der Visionär, der China neu verkostet

Der österreichische Winzer Lenz Moser arbeitet seit 2005 in China. In der Autonomen Region Ningxia verantwortet er die Weine von Château Changyu Moser XV. TWEED hat ihn auf der ProWein in Düsseldorf getroffen.

Wie Lenz Moser nach China kam

„China ist kein anderes Land, es ist ein anderer Planet“, sagt Moser auf der ProWein in Düsseldorf. Die Dimensionen sind überwältigend: rund 27-mal so groß wie Deutschland, eine 5.000-jährige Kulturgeschichte und eine Weinlandschaft, die sich völlig neu erfindet. Als Moser 2005 erstmals nach China reiste, war es pure Neugier, die ihn antrieb. „Ich musste mühevoll mit Hilfe eines Chinesen Informationen aus dem Netz zusammensuchen. Es gab praktisch nichts auf Englisch über chinesischen Wein.“

Was als Erkundungsmission begann, entwickelte sich zu einer radikalen Lebenswende. „Es war nicht mein Lebensplan, nach China zu gehen“, gesteht Moser. Doch er blieb hängen – „wie es oft im Leben ist“, fügt er mit einem Lächeln hinzu. Heute, nach rund zwei Jahrzehnten, gilt Lenz Moser als die prägende Figur des chinesischen Qualitätsweinbaus.

Ningxia: Weinbau im Wüstenklima

Moser fand seine Berufung in Ningxia, einer Region, die auf den ersten Blick allem widerspricht, was man von einem Weinanbaugebiet erwarten würde. „Wir haben die winzigsten und konzentriertesten Beeren der Welt, weil wir in einem Wüstenklima mit nur 20 Prozent Luftfeuchtigkeit arbeiten“, erklärt er. Diese extreme Umgebung, in der die Trauben sich gegen die Verdunstung schützen müssen, erzeugt eine Fruchtkonzentration, die anderswo unerreichbar ist.

2015: Die Neuausrichtung auf Qualität

Diese Erkenntnis wurde zum Wendepunkt für Mosers Projekt. Während er anfangs noch Container voller Wein für europäische Supermärkte produzierte, erkannte er bald: „Das war nicht nachhaltig, es hat mich nicht befriedigt.“ Der Wein war schlicht nicht gut genug für seine Ansprüche. 2015 kam der entscheidende Bruch. „Ich stand am Scheideweg – aussteigen oder weitermachen“, erinnert sich Moser. Gemeinsam mit seinen chinesischen Partnern entschied er sich für eine radikale Neuausrichtung: „Wir haben die Mantra geändert. Wir spielen jetzt auf einem ganz anderen Spielfeld.“

Statt Massenproduktion für Supermärkte steht nun kompromisslose Qualität im Fokus. Sein Château Changyu Moser XV entwickelte sich zum Flaggschiff einer neuen Generation chinesischer Weine. „Wein trinken war bis 2015 in China nicht unbedingt ein Vergnügen“, formuliert Moser diplomatisch. Heute ist sein Château ein Symbol für die Revolution, die der chinesische Weinbau durchläuft.

Handlese und 500-Liter-Fässer

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Moser hat jedes Detail seines Weinguts neu gedacht. „Wir lesen alles in 25-Liter-Kisten hinein“, erklärt er. In einem Land, wo Automatisierung oft als Zeichen des Fortschritts gilt, setzt er auf akribische Handarbeit. Auch im Keller geht er eigene Wege: „Wir gehen von diesen kleinen Barrique-Fässern zu 500-Liter-Fässern über. Warum? Weil wir eh schon so viel Tannin haben.“ Sein Ziel ist klar: „Ich will, dass der Wein so ursprünglich wie möglich zum Konsumenten kommt. Wir wollen die Frucht, die Eleganz, die Typizität herausarbeiten.“ Diese Philosophie führt zu Weinen, die mittlerweile mit den besten der Welt konkur

Axel Kmonitzek

Axel Kmonitzek

Axel vereint die Ausbildung an der Hamburg Media School mit der Passion für das Handwerk. Über eine Dekade hat er Uhren-Unikate gefertigt und prägt heute als Editor von Tweed den Blick auf Manufakturen, Autos, Reisen und die Menschen dahinter.

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