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Jenseits der Elbchaussee: Warum der Landrover Octa seine Übertreibung verdient

635 PS, 2,6 Tonnen, 187.600 Euro: Der Landrover Octa ergibt an der Elbchaussee keinen Sinn und in Katalonien plötzlich sehr viel.

Jenseits der Elbchaussee: Warum der Landrover Octa seine Übertreibung verdient
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Manchmal fragt man sich schon, was die Motivation der Eigentümer ist, wenn in Hamburg ein frisch polierter Defender vor einem Bioladen parkt. Natürlich mit Dachbox, Astabweiser und Unterfahrschutz, für die Tiefgarage an der Elbchaussee. Der Landrover Octa, offiziell Defender OCTA, treibt dieses Missverhältnis auf die Spitze: 635 PS, 2,6 Tonnen, ab 187.600 Euro. Ein Auto, das in Blankenese so notwendig ist wie ein Sauerstoffgerät im Erdgeschoss.

Les Comes: Wo der Defender OCTA seine Alibis verliert

Doch dann steht man selbst in Les Comes, eine knappe Stunde von Barcelona entfernt, auf dem 800 Hektar großen Areal eines katalanischen Landguts aus dem 10. Jahrhundert. Hier betreibt JLR eines seiner größten Fahrtestzentren. Es riecht nach Staub und Benzin, und es kommt eine gewisse Vorahnung auf.

Plötzlich ergibt alles Sinn, und die anfänglichen Fragezeichen werden zu einem Ausrufezeichen. Kaum auf der Strecke, krallen sich die Hände, doch etwas angespannt, ans Lenkrad. Die erste Rampe kommt schneller, als einem lieb ist. 70 km/h. Absprung. Freiflug. Das Fahrzeug hebt vollständig ab, um sanft – ja, wirklich sanft – wieder zu landen. Als hätte sich der britische Urvater aller Offroader mit einem Supersportwagen eingelassen und ein Kind mit Manieren gezeugt.

635 PS und 6D Dynamics: die Technik hinter dem Landrover Octa

Technisch ist der OCTA brachial: 4,4-Liter-V8-Biturbo von BMW, 635 PS, 750 Newtonmeter – 800 im Dynamic-Launch-Modus, dazu Mildhybrid und Achtgangautomatik mit Geländeuntersetzung. 0 auf 100 in 4,0 Sekunden, abgeregelt bei 250 km/h. Der Name stammt vom Oktaeder, der härtesten Kristallform des Diamanten.

Entscheidend ist aber das Fahrwerk. Die 6D-Dynamics-Architektur ersetzt klassische Querstabilisatoren durch hydraulisch verbundene, semiaktive Dämpfer. Das hält den Wagen auf dem Bergpass nahezu flach, ohne im Gelände die Verschränkung zu ersticken – jener Zielkonflikt, an dem sonst jeder schnelle Geländewagen scheitert. Dazu kommt der „OCTA Mode“, der erste dedizierte Performance-Fahrmodus eines Defender, ausgelegt auf hohes Tempo abseits des Asphalts. Wattiefe: 1.000 Millimeter. Bodenfreiheit im Offroad-Modus: 32,3 Zentimeter.

„Es ist nicht nur eine Frage des Aussehens, es ist eine Frage der Substanz“, sagt Federico Funaro, Discovery & Defender Brand Director.

Nur 48 Stunden dauerte es, bis die streng limitierte Edition One ausverkauft war.

„Dubai 1“: Status als eigene Fahrzeugklasse

Apropos limitiert: Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, der Herrscher von Dubai, hat das berühmte Kennzeichen „Dubai 1“ kürzlich von seinem weißen Mercedes-AMG G auf einen brandneuen Defender OCTA umgesteckt – er ist der erste Mensch weltweit, der das Topmodell ausgeliefert bekommen hat. Das mag banal klingen, bis man erfährt, dass das Kennzeichen „P7“ 2023 in Dubai für 55 Millionen Dirham versteigert wurde, rund 15 Millionen Dollar, Weltrekord. Die „1“ gilt als noch begehrter. Status hat dort eben einen abrufbaren Marktpreis.

Was im Prospekt fehlt

Und dann die Rechnung. 13,2 Liter WLTP sind eine Zahl für Behörden; auf spanischen Landstraßen fällt der Verbrauch kaum unter 14 Liter, CO2-Klasse G. 2.585 Kilogramm Leergewicht lassen sich kaschieren, nicht aufheben – AUTO BILD maß statt der versprochenen 4,0 Sekunden 4,6, und der Bremsweg von gut 37 Metern ist solide, aber kein Sportwagenwert. Die grob profilierten All-Terrain-Reifen, die den OCTA im Gelände erst zum Ereignis machen, tragen auf der Autobahn ein hörbares Grundrauschen bei. Der Grundpreis von 187.600 Euro ist der Anfang, nicht das Ende: Ein Octa Black liegt bei rund 200.000 Euro, die Lackschutzfolie kostet 4.450 Euro extra – und ist bei 275er-Geländereifen keine Eitelkeit, sondern Vernunft. Selbst das „Body and Soul“-Audiosystem, das laut Funaro „den ganzen Körper in die Musik eintauchen lässt“, bleibt bei aller Faszination das, was es ist: ein wunderbares Gimmick. Der übrige Innenraum: reduziert, funktional, sehr clean.

Ein Angebot, den Alltag zu überschreiten

Und doch werden all diese Daten zur Randnotiz, wenn man auf einem der fast senkrechten Hänge steht, die das katalanische Terrain durchziehen. Es sind Passagen, bei denen selbst ein erfahrener Bergsteiger kurz innehalten würde. Der OCTA zieht durch. Unbeeindruckt, souverän.

Ob das alles in den Speckgürteln der Metropolen gebraucht wird? Natürlich nicht. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: Der OCTA ist kein Statement gegen den Alltag. Er ist ein Angebot, ihn zu überschreiten. Ein Auto, das mehr kann, als sein Fahrer je abrufen wird. Und insgeheim, so meine Vermutung, wartet jeder Defender-Fahrer auf den einen Moment, in dem er als Einziger die eingeschneite Passstraße nimmt und auf Ewigkeit der Held der Familie ist, weil er den Skiurlaub gerettet hat.

Landrover Octa: Daten kompakt

  • Motor: 4,4-l-V8-Biturbo (BMW), Mildhybrid
  • Leistung: 635 PS (467 kW), 750 Nm / 800 Nm im Dynamic Launch
  • Getriebe: 8-Gang-Automatik, Allrad mit Untersetzung
  • 0–100 km/h: 4,0 s, Vmax 250 km/h (abgeregelt)
  • Verbrauch: 13,2 l/100 km (WLTP), 298 g/km CO2, Klasse G
  • Leergewicht: 2.585 kg, Wattiefe 1.000 mm
  • Fahrwerk: 6D Dynamics, hydraulisch verbundene semiaktive Dämpfer
  • Preis: ab 187.600 Euro, Edition One 206.600 Euro

Häufige Fragen zum Landrover Octa

Was kostet der Landrover Octa?

Der Defender OCTA startet in Deutschland bei 187.600 Euro. Die limitierte Edition One lag bei 206.600 Euro, ein Octa Black erreicht mit Ausstattung rund 200.000 Euro.

Welchen Motor hat der Defender OCTA?

Einen 4,4-Liter-V8-Biturbo von BMW mit Mildhybrid-Unterstützung, 635 PS und 750 Nm. Im Dynamic-Launch-Modus stehen kurzzeitig 800 Nm bereit.

Was bedeutet OCTA?

Der Name leitet sich vom Oktaeder ab, der härtesten und reinsten Kristallform des Diamanten.

Was ist 6D Dynamics?

Ein Fahrwerkssystem mit hydraulisch verbundenen, semiaktiven Dämpfern anstelle klassischer Stabilisatoren. Es unterdrückt Nick- und Wankbewegungen auf der Straße und erlaubt im Gelände dennoch große Radverschränkung.

Wie hoch ist der reale Verbrauch?

WLTP nennt 13,2 l/100 km. In Fahrberichten liegt der Wert bei zurückhaltender Fahrweise selten unter 14 Litern.

Axel Kmonitzek

Axel Kmonitzek

Axel vereint die Ausbildung an der Hamburg Media School mit der Passion für das Handwerk. Über eine Dekade hat er Uhren-Unikate gefertigt und prägt heute als Editor von Tweed den Blick auf Manufakturen, Autos, Reisen und die Menschen dahinter.

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