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7 Sommer-Essentials

Der Winter war kälter und hat länger gedauert, als wir es inzwischen gewöhnt sind. Umso größer war die Vorfreude auf den Frühling und den Sommer. Um die warme Jahreszeit stilvoll und entspannt genießen zu können, empfehlen wir 7 „Essentials“. Klassiker und Newcomer, Elegantes und Lässiges.

7 Sommer-Essentials
Veröffentlicht:
Teba-Jacke aus leichtem Baumwoll-Seersucker. Michael Jondral
Ärmel einer Tebajacke aus leichtem Wollstoff von Justo Gimeno in Spanien.

Die Tebajacke
Ihre Geschichte ist nicht ganz klar nachvollziehbar. Fest steht aber wohl, dass sie entweder der spanische König Alfons XIII. oder der Graf Teba sie zuerst hat machen lassen, vermutlich in den 1920ern. Nach dem Grafen, einem guten Bekannten und Waidgenossen des Monarchen, wurde sie später benannt. In Spanien ist sie das Pendant zu Tweedsakko oder Lodenjoppe - ein Klassiker für Land, Wochenende und smarten Casual-Look. Spanienreisende aus England und Frankreich haben sie bereits in den 1980ern für sich entdeckt, seit ein paar Saisons wird sie weltweit bei Herrenausstattern und Maßkonfektionären angeboten. Besondere Merkmale dieses Essentials: Leichte, ungefütterte Verarbeitung. Großzügiger Schnitt ohne Taille, Hemdmanschetten, die man umlegen kann, um Luft an die Handgelenke zu lassen. Am vielseitigsten ist die Tebajacke aus dunkelblauem Wollfresko, eher casual die Variante aus Leinen, sehr sommerlich die Seersucker-Variante.



Schlupfschuh aus leichtem Veloursleder. Ludwig Reiter

Der leichte Loafer
Es soll ja immer noch Männer geben, die solche Schuhe als „Slipper“ bezeichnen. Was nicht ganz falsch ist. „Slipper“ kommt von „Slip-on“ und das ist ein Schuh, in den man rein- und rausschlüpfen kann. Auf Deutsch heißt so ein Modell „Schlupfschuh“ oder „Schlüpfer“. Was nicht gerade attraktiv klingt. Deswegen sagt man auch im deutschen Sprachraum „Loafer“ zu Schuhen, die nicht geschnürt oder mit Schnallen geschlossen werden. Wenn Briten „Slipper“ sagen, dann meinen sie übrigens Haus- oder Abendschuhe. Loafer sind im Sommer die beste Wahl, weil sie einerseits ein richtig Lederschuh sind, andererseits relativ luftig und leicht. Das Gewicht hängt von der Machart ab. Rahmengenähte Loafer sind am schwersten, leichter sind durchgenähte Modelle, noch leichter Mokassins oder Exemplare mit geklebter Sohle. Beim Stichwort „Geklebt“ graust es vielen Fans der klassischen Stils, dabei kommen z. B. Samtslipper oder Frack Escarpins in aller Regel mit geklebter Sohle.

Klassischer Panama aus feinstem Geflecht. Lock Hatters

Panamahut
Neu ist der Hut aus dem Stroh der palmenartigen „Carludovica palmata“ wahrlich nicht, denn bereits seit dem Bau des Panamakanals zwischen 1906 und 1914 ist er Teil der internationalen Sommergarderobe des Herrn. Die Beliebtheit dieses Hutes hat über die Jahrzehnte geschwankt, mal ist sie größer, mal kleiner. Als Hüte noch Teil des normalen Alltagskleidung war, galten Panamahüte als die erste Wahl des stilbewussten Herrn. Hüte aus heimischem Stroh waren in ganze Europa verbreitet, der Panamahut brachte aber den Duft der großen weiten Welt nach London, Paris, Mailand und Wien. In den USA, die der Heimat des Klassiker am nächsten lagen, haben sich Panamahüte in verschiedenen Formen zuerst etabliert. Zusammen mit der Zigarre aus Kuba war der Panama der wichtigste Importartikel aus dem Süden. Besonders begehrt und wertvoll sind Hüte aus dem feinsten Geflecht. Sie werden bei den besten Hutmachern und Manufakturen von Hand verarbeitet. Diesen Sommer sind sie ein absolutes Muss gegen die Sonne und für den Stil.

Leinenanzug in italienischem Braun. Mit Krawatte oder ganz lässig. Massura

Der Leinenanzug
Ob nun beim „Wiedersehen in Brideshead“ oder im legendären Café Gambrinus in Neapel, der Leinenanzug ist im Sommer unentbehrlich. Ähnlich wie der Tweedanzug verbindet auch sein sommerlicher Cousin Eleganz und Lässigkeit. Während der Sommeranzug aus dunklem Zwirn, egal wie leicht und italienisch er geschnitten und genäht sein mag, die Förmlichkeit nie verleugnen kann, verleiht der Leinenanzug aristokratische Eleganz. Vorausgesetzt, der Anzug hat den richtigen Schnitt und wird mit der richtigen Haltung getragen. Slimfit verbietet sich, denn das nachgiebige und knitteranfällige Gewebe würde viel zu schnell ausbeulen. Außerdem passt ein klassischer Schnitt mit „drape“ an der Brust und Bundfalten an den Hosen viel besser zu diesem Essential der Sommergarderobe. Leinenanzüge wirken als Doppelreiher besonders vornehm. Um die Förmlichkeit ein wenig aufzubrechen, darf man das Hemd durch ein T-Shirt, die Krawatte ruhig durch ein Halstuch ersetzen. Vorausgesetzt, der Anlass erlaubt derlei Variationen.

Das komplette Cut-Outfit. Maximilian Mogg

Der Cut
Sommer-Essential? Aber sicher. Schließlich wird im Sommer viel geheiratet und Hochzeit gefeiert. Und was passt da besser, als der „morning dress“? Die Briten nennen das Cut-Outfit so, weil es am Morgen getragen wird, genauer gesagt, am Vormittag. Der Cut heißt im deutschsprachigen Raum auch „Frack des Tages“. Was alles sagt. Man trägt den Cut bei Frackanlässen, die tagsüber stattfinden. Hochzeiten, außerdem bei Taufen, Empfängen, förmlichen Gartenpartys und auch Trauerfeiern. Das Cut-Outfit besteht grundsätzlich aus dem schwarzen oder dunkelgrauen Rock (dieses Dunkelgrau heißt auch „Marengo“), einer hellen Weste aus Wollstoff, Leinen oder Seide (bei Trauerfeiern ist sie schwarz), gestreiften Hosen, die von Hosenträgern oder Seitenschnallen gehalten werden (der Gürtel wäre zu sportlich und ein Stilbruch). Weiterhin gehören dazu ein Hemd mit Umlegekragen und Doppelmanschetten (auf keinen Fall Stehkragen), Langbinder (niemals Schleife), schwarze Schuhen (Schnürer als förmlichste Variante oder Loafer) sowie als Accessoires der Zylinder und, falls Regen droht, ein Stockschirm.

Leinenshorts, klassisch weit geschnitten. Luis Trenker

Die Bermuda-Shorts
Shorts? Ja, Shorts! Natürlich. Die Idee, dass kurze Hosen stillos seien, ist weit verbreitet, dennoch ist diese Auffassung nicht korrekt. Wer das sagt? Es gibt natürlich keine internationalen Mode- und Stilgerichtshof, der so eine Frage letztgültig entscheidet. Bei Stilfragen geht es um überlieferte Konventionen, um praktische Erwägungen und das ganz subjektive Empfinden von „schön“ oder „unschön“. Ansonsten werden Modefragen mit Hilfe von Zeugen entschieden, also dem Beispiel von Männer, die nach allgemeiner Auffassung als elegant gelten. Diese Zeugen, auch Stil-Ikonen genannt, zeigen uns, dass Shorts im Sommer unverzichtbar sind. Bestes Beispiel: Der Duke of Windsor, der an der Riviera oder in Florida oft in Shorts gesichtet wurde. Sofern Anlass und Umgebung stimmen, die Shorts nicht zu kurz oder zu lang, zu weit oder zu eng, zu bunt oder zu blass sind. Weitere Voraussetzungen: Der Träger sollte sicher sein, dass er in kurzen Hosen immer noch eine gute Figur macht. Keine der großen Stil-Ikonen hat nicht bei passender Gelegenheit Shorts getragen. Also dürfen wir ihrem Beispiel folgen.

Perfekt für den James-Bond-Look: Das weiße Dinnerjacket. Anton Meyer

Das Dinnerjacket
Das zweite förmliche Essential für den Sommer ist das Dinnerjacket. Laut internationaler Übereinkunft trägt man es abends unter freiem Himmel, auf hoher See oder bei der Kombination der zwei. Also z. B. bei sommerlichen Opernaufführungen im Freien, Cocktails und Abendeinladungen im Garten auf dem Lande oder beim Captain’s Dinner bei der Kreuzfahrt. Ein sommerliches Pendant zum schwarzen Abendanzug ist das weiße Dinnerjacket nicht, denn bei Anlässen in geschlossenen Räumen wäre es unpassend. Wenn man dagegen bei der Einladung zwischen Terrasse oder Garten und Innenraum hin- und herpendelt, wäre es eine gute Wahl. Knallweiß sollte das Dinnerjacket übrigens nicht sein, sonst sieht man aus wieder Kellner oder Barman. Die schönste Farbe ist die von Elfenbein, auch „écru“ genannt. Als Material kommen neben leichten Woll- oder Kaschmirstoffen auch Seide oder sogar Leinen in Frage. Ob einreihig oder zweireihig, das ist Geschmacksache. Zweireihig ist eleganter, einreihig ein wenig luftiger.


Bernhard Roetzel

Bernhard Roetzel

Bernhard Roetzel ist Autor des Standardwerks Der Gentleman und seit der ersten Ausgabe feste Instanz im TWEED Magazin. Er schreibt über Stil, Handwerk und die Kultur des gepflegten Erscheinungsbilds.​​​​​​​​​​​​​​​​

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