Der erste Eindruck zählt. Das gilt auch für ein Kleidungsstück. Man sieht es, fasst es an und mag es. Dann erst wird es anprobiert. Erst im nächsten Schritt schaut man vielleicht auf das Etikett im Inneren, um mehr über den Stoff zu erfahren. Handelt es sich um Wolle oder Leinen, Baumwolle oder Seide? Gibt es Beimischungen von Kunstfasern oder haben wir es mit einem Mix aus Wolle und Kaschmir oder Leinen und Seide zu tun? Und was bedeutet Super-100-S?
Die Faser ist der Ursprung des Stoffs. Sie kann von Tieren stammen oder Pflanzen. Die wichtigsten Tierfasern sind die Haare von Schafen, Kamelen und Ziegen. Schafe liefern Wolle, je nach dem Klima, in dem die Tiere leben, ist sie feiner oder gröber. Die feinsten Wollfasern liefern die Merinoschafe, die z. B. in Australien und Neuseeland zu Hause sind, englische Schafrassen, z. B. das Cheviot, liefern stärkere Fasern. Das edelste Ziegenhaar ist Kaschmir, zu den Kamelhaaren zählen z. B. Guanako oder das extrem teure Vikunja. Seide ist ebenfalls eine tierische Faser, sie stammt vom Maulbeerspinner. Die bekanntesten Pflanzenfasern sind Baumwolle und Leinen. Zusätzlich gibt es Kunstfasern. Sie sind in der klassischen Herrenmode oftmals noch verpönt, viele Männer schätzen inzwischen aber das Plus an Bequemlichkeit durch Stretch-Effekte. Und bei Wind- und Regenjacken sowie Mänteln sind Funktionsfasern heute gar nicht mehr wegzudenken.

Wenn das Etikett im Inneren des Kleidungsstücks den Stoff als Super-100-S oder Super-180-S ausweist, sagt das nichts über die Leichtigkeit des Tuchs aus. Es geht vielmehr um die Feinheit der Faser. Je feiner, desto hochwertiger und auch teurer. Was für ein Garn aus dieser Faser gesponnen wird und wie warm oder kühl der Stoff sich anfühlt, ist durch die S-Zahl noch nicht gesagt. Sie verrät vielmehr, wie alltagstauglich das Kleidungsstück sein wird. Super 100-S bis Super-130-S sind relativ unempfindliche Qualitäten. Ab Super-150-S aufwärts eignet sich der Anzug eher für besondere Anlässe. Je höher die Zahl, desto feiner die Faser und desto empfindlicher das Tuch.

Die Fasern werden zu einem Faden gesponnen, das Ergebnis ist das Garn. Wenn mehrere Garnfäden zusammengedreht werden, entsteht Zwirn. Er ist elastischer und widerstandsfähiger als der einfache Faden. Aus dem Garn wird der Stoff gewebt. Weben heißt, dass Längs- und Querfäden in einem bestimmten Rhythmus miteinander verkreuzt werden. Die Längsfäden heißen Kette, die Querfäden Schuss. Aus diesem Rhythmus, Bindung genannt, entstehen charakteristische Strukturen und Mustern, z. B. die Querrippen der Köperbindung. Bei den meisten Anzugstoffen werden die Muster allein durch die kunstvolle Anordnung von Kette und Schuss kreiert, also z. B. Streifen, Karos, Fischgrat oder Glencheck. Nur auf leichte Stoffe, z. B. leichte Seide oder feine Wollgewebe, werden Muster auch gedruckt.

Der letzte Schritt ist die Ausrüstung oder Veredelung. Der Stoff wird dabei zunächst gewaschen, dann bekommt er durch verschiedene mechanische Prozesse den gewünschten Griff und das charakteristische Aussehen. Ein Flanell wird z. B. aufgeraut, um ihn schön weich zu machen, andere Qualitäten werden dagegen besonders glatt gewalzt. Am Ende steht eine penible Qualitätskontrolle, bei der kleinste Webfehler aufgespürt und ausgebessert werden.
